Ärzte Zeitung online, 20.08.2009

Hausarztzentrierte Versorgung: Hausärzteverband kritisiert Kassen

KÖLN (eb). Der Deutsche Hausärzteverband hat Krankenkassen vorgeworfen, den Abschluss von Verträgen zur hausarztzentrierten Versorgung zielgerichtet zu verzögern.

"Mit allerlei Ausflüchten von angeblich unvollständiger Mandatierung und fehlenden Bereinigungsmöglichkeiten der Gesamtvergütungen versuchen insbesondere die Ersatzkassen, aber auch etliche andere Krankenkassen, die gesetzliche Verpflichtung zu unterlaufen, ihren Versicherten eine hausarztzentrierte Versorgung nach § 73b SGB V anzubieten", kritisierte jetzt der Bundesvorsitzende des Hausärzteverbandes Ulrich Weigeldt.

Verwunderlich sei auch, "dass etliche Aufsichten, also Länderministerien, dieses Spiel mitspielen und die Verzögerungen bis nach der Bundestagswahl reichen." Das Gesetz gelte seit dem Januar dieses Jahres und werde "in unverantwortlicher Weise missachtet", so Weigeldt weiter.

Der Hausärzteverband verweist auf Berechnungen des Statistischen Bundesamts (wir berichteten), aus denen hervorgeht, dass Hausärzte in Deutschland nach wie vor die Rote Laterne bei den Brutto-Ärztehonoraren besitzen. Dazu, so Weigeldt, bleibe immer unerwähnt, dass sie gleichzeitig die Hauptlast der Notdiensttätigkeit außerhalb normaler Sprechstundenzeiten tragen.

Die relative Besserstellung der Hausärzte zu den anderen Fachgruppen werde seit Jahren nicht nur vom Deutschen Hausärzteverband, sondern auch von der Arbeitsgemeinschaft der Obersten Landesgesundheitsbehörden (AOLG) und vom Sachverständigenrat gefordert. Weigeldt: "Dies ist dringend notwendig, um ein Wegbrechen der hausärztlichen Versorgung zu verhindern."

Die "chaotische Honorarreform" zeige noch einmal, dass zum Erhalt einer flächendeckenden familiennahen hausärztlichen Versorgung die Verträge nach § 73b SGB V zunehmend überlebensnotwendig werden.

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