Ärzte Zeitung online, 25.08.2009

Qualitätsmanagement: Medi Südwest startet Informationskampagne für Nachzügler

KAISERSLAUTERN (mm). Um niedergelassenen Ärzten zu helfen, doch noch rechtzeitig bis zum 31. Dezember 2009 ein Qualitätsmanagementsystem in ihrer Praxis zu installieren, hat jetzt Medi Südwest eine Informationskampagne gestartet.

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Foto: Falko Matte ©www.fotolia.de

"Es ist kurz vor zwölf. Kollegen, die sich noch nicht entschlossen haben, welches Qualitätsmanagementsystem sie einrichten wollen, müssen sich sputen", warnte jetzt Dr. Ralf Schneider, Vorsitzender von Medi Südwest.

Bei einer kleinen Umfrage unter den Mitgliedern von Medi Südwest hatten 87 Praxisinhaber der Region über ihren aktuellen Stand in Sachen QM informiert. Dabei zeigt das Ergebnis, dass die Praxen in Sachen QM gar nicht so schlecht dastehen. Elf Vertragsärzte gaben an, bereits zertifiziert zu sein. Acht Praxen gemäß DIN ISO, zwei mit Hilfe von QEP und eine Praxis mit Unterstützung von EPA Hausarzt. "68 Praxen haben nach eigenen Angaben begonnen, ein QM-System umzusetzen", ergänzt Medi-Südwest-Geschäftsführer Dr. Rainer Saurwein. Die meisten der Mediziner aus der Region, nämlich 45 der 87 Praxen, gaben dabei an, das QM-System "QEP - Qualität und Entwicklung in Praxen" umzusetzen.

Dieses Ergebnis von Medi Südwest deckt sich mit einer repräsentativen Umfrage der KVen. Ihr zufolge ist QEP das am häufigsten verwendete Qualitätsmanagementsystem in Praxen. Die Umfrage, die im Jahr 2007 im Rahmen von Stichprobenerhebungen zum Einführungsstand von QM durchgeführt wurde, ergab für QEP einen Anteil von 36 Prozent (wir berichteten).

Medi-Landeschef Schneider hatte selbst erst vor wenigen Wochen sein Audit. Seine Praxis ist nach DIN ISO zertifiziert. "Wir waren schon vorher gut organisiert, konnten uns aber noch einmal steigern - so zum Beispiel beim Hygienemanagement", erzählt der Allgemeinarzt. Gleich mehrere Desinfektionsspender seien über die Praxisräume verteilt worden.

Eine externe Beraterin unterstützte die Mitarbeiter bei ihrer QM-Arbeit. "Die Einzelbetreuung durch eine externe QM-Fachkraft ist grundsätzlich zwar teuer, nimmt dem Praxischef aber auch viel Arbeit ab", so Schneider. Eine QM-Fachkraft analysiere und erfasse den gesamten Ablauf in der Praxis und strukturiere alle Abläufe bis hin zur Erstellung des QM-Handbuches. Mit Kosten zwischen 3000 bis 9000 Euro müsse der Praxischef hier rechnen. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie unterstützt jedoch Ärzte mit bis zu 1500 Euro bei der Einführung eines Qualitätsmanagements.

"Der Aufwand für den Praxischef liegt hier dank der Einzelbetreuung durch den externen Berater bei rund 20 Stunden", bestätigt auch Orthopäde Frank Fasco. Bereits im Juli 2003 ließ der Pirmasenser Orthopäde sich nach DIN EN ISO 9001:2000 als 2. Praxis in Rheinland-Pfalz und 1. Orthopädiepraxis zertifizieren. "Durch die wesentlich effektivere Organisation im QM habe ich, neben einer allgemein deutlich höheren Arbeitszufriedenheit aller Mitarbeiter, mindestens einen halben Tag Zeit gewonnen", so Fasco. Diese nutze er für sein berufspolitisches Engagement bei Medi und im Berufsverband der Orthopäden/Unfallchirurgen (BVOU) in Rheinland-Pfalz.

Ähnlich teuer wie das beliebte QEP-System (rund 1500 bis 2000 Euro), dafür aber nicht so zeitaufwendig, sei im übrigen das hauseigene QM-Modell "Mediverbund interaktiv" der Mediverbund-Dienstleistungs GmbH, wirbt Schneider in diesem Zusammenhang. Es richte sich an Ärzte, die ohne großen finanziellen und zeitlichen Aufwand ein QM-System nach dem Do-it-yourself-Prinzip in ihrer Praxis einrichten wollten.

Allerdings gilt auch weiterhin für strikte QM-Verweigerer: Sanktionen von Gesetzgeber oder KV drohen erst einmal nicht. Das Schlimmste, was QM-Verweigerern bislang passieren kann, ist ein Beratungsangebot von der KV.

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