Ärzte Zeitung online, 25.08.2009

Marburger Bund fordert von der Politik mehr Initiativen gegen Ärztemangel

KÖLN (iss). Mit Wahlprüfsteinen zur Bundestagswahl will der Marburger Bund (MB) in Nordrhein-Westfalen/Rheinland-Pfalz die Position der politischen Parteien zur Arbeitszeitrichtlinie abfragen.

Marburger Bund fordert von der Politik mehr Initiativen gegen Ärztemangel

Foto: Marburger Bund

Die Reaktion der Parteien auf fünf konkrete Fragen zum Thema wird der MB in seiner Mitgliederzeitschrift und im Internet veröffentlichen. Das beschlossen die Delegierten auf der Hauptversammlung des Landesverbands in Köln.

"Wird Ihre Partei in der kommenden Legislaturperiode eine Änderung der derzeit geltenden Arbeitszeitrichtlinie in irgendeiner Weise betreiben oder unterstützen?", lautet eine der Fragen.

Die MB-Delegierten votierten für die Einrichtung einer Arbeitsgruppe, die Handlungsstrategien zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Assistenzärzte bis Ende Oktober 2009 entwickeln soll. Sie verabschiedeten auch einen Beschluss über eine "Initiative familienfreundliches Krankenhaus", das die Landeskrankenhausgesellschaften in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz gemeinsam mit dem MB auf den Weg bringen sollen.

Von Bund und Ländern verlangen die Ärzte mehr Initiativen, um den Ärztemangel und die drohende Unterversorgung zu bekämpfen und die Weiterbildung zu verbessern. Der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe Dr. Theodor Windhorst kritisierte die Weiterbildungs-Situation in den Kliniken als "todkrank". "Angesichts des gravierenden Ärztemangels und der unzähligen, zumeist auch noch unbezahlten Überstunden ist die Weiterbildung leider zu einem Nebenprodukt des Klinikalltags geraten, der es obendrein an einer ausreichenden und sachgerechten Finanzierung mangelt", sagte Windhorst. Das trage erheblich zur allgemeinen Unzufriedenheit der Klinikärzte bei und verschärfe den Ärztemangel.

Die ärztliche Hilfe im Krankenhaus dürfe weder vom Geldbeutel noch vom Versichertenstatus des Patienten abhängen, forderte der Landesverbandsvorsitzende Rudolf Henke, der in Köln in seinem Amt bestätigt wurde. "Beim Hotelkomfort mag man Unterschiede machen, aber wenn es nach uns Ärztinnen und Ärzten geht, muss die Behandlung für jeden Patienten fachlich immer auf der Höhe der Zeit erfolgen", betonte Henke.

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