Ärzte Zeitung, 31.08.2009

Hoppe: Ärztemangel muss in Koalitionsvertrag

Die Bundesärztekammer sieht dem demografischen Wandel mit Sorge entgegen: Immer weniger Ärzte müssen immer mehr chronisch Kranke versorgen.

Von Rebecca Beerheide

Hoppe: Ärztemangel muss in Koalitionsvertrag

Der demografische Wandel bringt mehr Chroniker und immer weniger junge Ärzte.

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BERLIN. "Eine Gesellschaft des langen Lebens braucht Ärzte in Klinik und Praxis - und nicht in anderen Berufsfeldern", mahnte der Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), Professor Jörg-Dietrich Hoppe, bei einem Symposium zum demografischen Wandel und Ärztemangel in Berlin. Der BÄK-Präsident forderte die nächste Bundesregierung auf, Konzepte für den künftigen Bedarf an Ärzten zu diskutieren und konkrete Aussagen im Koalitionsvertrag zu treffen.

Um den bevorstehenden Ärztemangel zu lindern, schlug der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Dr. Rudolf Kösters, vor, die Zahl der Studienplätze in der Humanmedizin zu erhöhen. "Besonders wichtig ist es, sich von der starren Fixierung auf Notendurchschnitte als Zulassungsberechtigung für das Studium zu lösen", sagte Kösters.

Diesen Vorschlag sieht der zweite Vorsitzende des Marburger Bundes, Dr. Andreas Botzlar, kritisch. Vielmehr müsse die Arbeitswelt im Krankenhaus attraktiver gestaltet werden. Ein "Alarmsignal erster Ordnung" sei es, dass weniger als vier von fünf Absolventen der Humanmedizin in der Patientenversorgung arbeiten.

Außerdem müsse das Praktische Jahr in den Klinken wieder mehr geschätzt werden, so Botzlar. Als negatives Beispiel nannte er die Universitätsklinik Mainz, die es ihren Lehrkrankenhäusern per Ehrenkodex verbietet, eine Aufwandsentschädigung an PJ'ler zu zahlen (wir berichteten).

Das Verhalten der Uniklinik bezeichnete Dr. Frank Ulrich Montgomery, Vizepräsident der BÄK, als "absurd" und "antiquiert". Gerade die Krankenhausträger hätten es in der Hand, sich als Arbeitgeber attraktiv zu machen. Auch auf den höheren Anteil von Frauen im Beruf und den Wunsch nach Zeit für die Familie müssten Kliniken Antworten finden. Unter den berufstätigen Ärzten waren im Jahr 2008 bereits 41,5 Prozent Frauen. Als eine weitere Herausforderung beschrieb der Vorsitzende der KV Westfalen-Lippe, Dr. Ulrich Thamer, die zunehmende Multimorbilität der Patienten. Diese trete bereits heute mit regionalen Unterschieden in NRW verstärkt auf.

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