Ärzte Zeitung online, 21.10.2009

Versandapotheken platzt der Kragen

NEU-ISENBURG (cw). Die großen Versandapotheken sind sauer: In einem Offenen Brief an ABDA-Präsident Heinz-Günter Wolf fordert der Vorsitzende des Bundesverbandes Deutscher Versandapotheken (BVDVA), Christian Buse, "die unausgesetzte Diffamierung und Kriminalisierung deutscher Versandapotheken durch die Standesvertretung endlich zu beenden".

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Als exemplarisch für den Kurs der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) führt Buse eine Pressemitteilung des Hessischen Apothekerverbandes vom August dieses Jahres an sowie eine Äußerung des ABDA-Pressesprechers Thomas Bellartz im gleichen Monat gegenüber der Zeitung "Computerwoche". In beiden Texten werde der Arzneimittelversand pauschal mit Arzneimittelmissbrauch beziehungsweise Betrug am Kunden, der Fälschungen erhält, in Verbindung gebracht. Weitere Beispiele gebe es zur Genüge, versichert die BVDVA-Geschäftsstelle. Besonders die Zollstatistiken zu Arzneimittelfälschungen würden immer wieder "bewusst missinterpretiert", um den zugelassenen Arzneimittelversand in ein schlechtes Licht zu rücken.

"Sollten sich diese Kampagnen fortsetzen", so Buse in seinem Brief, werde der Verband seinen Mitgliedern raten "zu überprüfen, ob sie künftig noch Mitgliedbeiträge an die Landesapothekerkammern entrichten werden". ABDA und Landesapothekerkammern verstünden sich "offenkundig allein als Interessenvertreter der reinen Präsenzapotheken".

Die Zwangsmitgliedschaft in den Kammern, argumentiert der BVDVA-Vorsitzende, sei aber nur dadurch zu rechtfertigen, "dass diese die Belange der Gesamtheit der von ihnen vertretenen Berufsangehörigen wahrnehmen". Da die Kammerbeiträge umsatzabhängig sind, zählten die Apotheken mit Versandhandelserlaubnis zu den größten Beitragszahlern. Buses Brief schließt mit der Forderung, die Standesvertretung möge "den Versandhandel als bewährtes Element der Arzneimittelversorgung anerkennen".

Rückendeckung erhält Buses Drohung mit Beitragsstopp von dem Münchener Fachanwalt Thomas Bruggmann, der auf ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts von 1997 verweist. Darin heißt es, dass die Kammern sich für alle ihre Mitglieder gleichermaßen einsetzen müssen. Sei das fortgesetzt nicht der Fall, so Bruggmann, könne dies beim Kammerbeitrag entsprechend berücksichtigt werden.

In einer ersten Stellungnahme kontert ABDA-Präsident Wolf, der BVDVA nehme das Problem des zunehmenden Handels mit Arzneimittelfälschungen über Online-Kanäle nicht ernst. Die Kritik an der Standesvertretung sei ein „Ablenkungsmanöver“. Dem BVDVA gehe es „nicht um das Patientenwohl, sondern um Partikularinteressen“.

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