Ärzte Zeitung, 16.11.2009

Hausarzt setzt Staatsanwalt auf KV-Vize an

Der Streit um die Honorarabrechnung für das erste Quartal in Baden-Württemberg eskaliert: Jetzt hat ein Hausarzt Strafanzeige gegen KV-Vorstandsvize Dr. Wolfgang Herz gestellt - und ruft Kollegen zur Nachahmung auf.

Hausarzt setzt Staatsanwalt auf KV-Vize an

Erntet viel Kritik für die Abrechnung des ersten Quartals: KV-Vorstandsvize Dr. Wolfgang Herz.

Foto: Bratulic

STUTTGART (fst). Der Allgemeinmediziner Dr. Stefan Funk aus Mannheim hat nach eigenen Angaben KV-Vorstandsvize Dr. Wolfgang Herz bei der Staatsanwaltschaft wegen "Betrugs in einem besonders schweren Fall" angezeigt. Hintergrund ist der Streit um die Bereinigung der Gesamtvergütung um die Leistungen, die Hausärzte im Rahmen des AOK-Hausarztvertrags erbringen (wir berichteten). Die KV-Vertreter hatten Mitte Oktober den Vorstand aufgefordert, die Bereinigung künftig nach einem detailliert vorgegebenen Verfahren vorzunehmen.

Der Mannheimer Hausarzt wirft der KV in einem Rundschreiben an die am AOK-Vertrag teilnehmenden Hausärzte vor, sie "betrüge" die Ärzte um "ihr verdientes Honorar". Funk schlägt seinen Kollegen vor: "Lassen Sie den Staatsanwalt prüfen, ob das Verhalten von Herrn Herz rechtmäßig ist oder nicht."

Der KV-Vize selber hatte in einem Schreiben an alle KV-Mitglieder sein Vorgehen gerechtfertigt. Auch das Sozialministerium habe bestätigt, dass die Bereinigung "nach den geltenden Vorschriften" erfolgt sei.

Gegenwind erfährt Herz auch in einem offenen Brief des Hausarztes Dr. Matthias Vogel aus Neunkirchen. Vogel wirft dem KV-Vize vor, er greife auf die Honorare der Ärzte zu, "die es gewagt haben, einen verlässlichen Vertrag außerhalb der KVBW zu schließen". So versuche die Körperschaft, den Schutzschirm zu finanzieren und die "Noch-nicht-HZV-Ärzte bei der Stange zu halten".

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