Ärzte Zeitung, 11.12.2009

GBA-Chef Hess will Ausschuss neu ausrichten

Bundesausschuss soll sektorübergreifend Bewertungen vornehmen

KÖLN (iss). Der Gemeinsame Bundesausschuss muss sich nach Ansicht seines Vorsitzenden Dr. Rainer Hess langfristig anders ausrichten.

GBA-Chef Hess will Ausschuss neu ausrichten

Will nicht länger für "Einzelbewertungen viel Kraft opfern mit kleinen Ergebnissen": GBA-Chef Dr. Rainer Hess.

Foto: KBV

Statt wie bisher Einzelaufträge abzuarbeiten, müsse der Ausschuss in einer gesamtgesellschaftlichen Perspektive das Versorgungsgeschehen in den Blick nehmen, sagte Hess bei der Kölner Ringvorlesung Gesundheitsökonomie des Instituts für Gesundheitsökonomie und Klinische Epidemiologie an der Universitätsklinik Köln. "Wir müssen den GBA neu aufstellen und nicht länger für Einzelbewertungen viel Kraft opfern mit kleinen Ergebnissen."

Beim Krankheitsbild Diabetes etwa dürfe es nicht länger darum gehen, ob eine bestimmte Medikamentengruppe in den Leistungskatalog aufgenommen wird oder nicht, erläuterte Hess. Statt dessen müsse der GBA die vorhandenen Strukturen und Angebote von der Primärprävention bis zur Rehabilitation prüfen.

Auf dieser Basis könnten dann Handlungsbedarf entdeckt und Beratungsthemen identifiziert werden. "Wir müssen uns über die Gräben hinweg über die Versorgungssituation in Deutschland unterhalten, jenseits von ökonomischen Interessen", forderte er. Hess hofft, dass der Ausschuss 2010 die neue Herangehensweise modellhaft erproben kann. Einzelbewertungen werde es aber weiter geben. Mit dem sektorübergreifenden Ansatz sei der GBA bereits dabei, sich bei der Qualitätssicherung neu zu positionieren.

Werde ein Patient zwei Tage im Krankenhaus behandelt, reiche es nicht aus, nur diese zwei Tage für die Qualitätssicherung zu erfassen. "Ich muss wissen, was davor und was danach passiert", sagte Hess.

Topics
Schlagworte
Berufspolitik (17543)
Organisationen
KBV (6603)
Krankheiten
Diabetes mellitus (8523)
Personen
Rainer Hess (382)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »