Ärzte Zeitung online, 22.12.2009

Gastroenterologen warnen vor Rückgang notwendiger Magenspiegelungen

WIESBADEN (maw). Die Regelleistungsvolumen (RLV) werden zur "Austrocknung der fachärztlichen Versorgung im ambulanten Bereich führen". Davor warnt Professor Joachim Labenz, Vorstand der Sektion Gastroenterologie des Berufsverbands Deutscher Internisten (BDI). Gastroenterologen könnten schon heute keine Magenspiegelung mehr wirtschaftlich erbringen. Im Gegenteil: Mit dieser Leistung subventionierten sie das deutsche Gesundheitssystem, so Labenz.

Gastroenterologen warnen vor Rückgang notwendiger Magenspiegelungen

Gastroenterologen könnten schon heute keine Magenspiegelung mehr wirtschaftlich erbringen.

Foto: © Klaro / Ärzte Zeitung

Wie Labenz in einer Mitteilung des BDI vorrechnet, decke das RLV - je nach KV mit einer Höhe zwischen 30 und 40 Euro je Quartal - die Magenspiegelung mit ab. Seiner Berechnung zufolge verursache die Magenspiegelung aber schon ohne Berücksichtigung des Arzthonorars Kosten in Höhe von etwa 100 Euro für Material- und Personalaufwand. "Mit anderen Worten: mit jeder Magenspiegelung subventioniert der Arzt das Gesundheitssystem mit 60 Euro und mehr", schlussfolgert Labenz.

In der Konsequenz, so der BDI-Vertreter, würde die Leistung, die in einer durchschnittlichen gastroenterologischen Praxis etwa tausendmal im Jahr erbracht werde, nicht mehr im notwendigen Umfange angeboten. Dies sei Rationierung durch die Hintertür. Die unmittelbaren Folgen seien klar, so Labenz, und nennt Wartelisten, Diagnose- und Therapieverzögerungen.

Er fordert eine umfassende Aufklärung der Bevölkerung: "Es ist an der Zeit, dass der mündige Bürger und Wähler über die Missstände im Gesundheitssystem korrekt und umfassend aufgeklärt wird. Es ist nicht richtig, mit globalen Totschlagargumenten die Ärzte an den Pranger zu stellen und von ‚Verteilungsproblemen des Geldes‘ zu sprechen."

Zudem plädiert Labenz dafür, Klarheit über die weitere Entwicklung des Gesundheitssystem zu schaffen. Er fordert: "Entweder müssen wir offen und ehrlich in eine Rationierungsdebatte eintreten, oder es wird dafür gesorgt, dass eine adäquate Honorierung der qualitätsgesicherten Leistung folgt."

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