Ärzte Zeitung, 23.03.2010

Pilotprojekt an der Saar zieht Erfolgsbilanz

Von einem persönlichen Schreiben vom saarländischen Gesundheitsminister fühlten sich Männer angesprochen und gehen nun deutlich öfter zur Darmkrebsvorsorge.

Von Andreas Kindel

Pilotprojekt an der Saar zieht Erfolgsbilanz

SAARBRÜCKEN. Die schriftlichen Einladungen zur Darmkrebs-Vorsorge im Saarland zeigen erste Erfolge: Die Beteiligungszahlen gehen deutlich nach oben. Die Ärzte rechnen schon bald mit deutlich sinkenden Neuerkrankungen.

Wie der saarländische Gesundheitsminister Georg Weisweiler (FDP) in Saarbrücken mitteilte, haben sich die Teilnehmerraten nach ersten Auswertungen mehr als verdoppelt. "Am meisten konnte die Rate bei den Männern gesteigert werden", erklärte Weisweiler. Seit September 2008 sind im Saarland mehr als 28 000 Bürger über 55 Jahren in persönlichen Schreiben des Gesundheitsministers aufgefordert fordern, an den Vorsorge-Untersuchungen teilzunehmen.

Das Projekt ist in dieser Form nach Angaben des Ministeriums bundesweit nach wie vor einmalig. "Wir haben bundesweit größtes Interesse bei der Arbeitsgruppe erzeugt, die sich mit dem Thema im Rahmen des nationalen Krebsplans beschäftigt", erläuterte Weisweiler. Auch aus Bayern habe man schon Anfragen bekommen. Im Saarland hätten inzwischen dank der Kampagnen 20 Prozent aller anspruchsberechtigten Frauen und 17 Prozent der Männer an der Vorsorgeuntersuchung teilgenommen -  die Zahlen sind höher als der Bundesdurchschnitt.

Das schriftliche Einladungswesen an der Saar soll in Zukunft auf "gesetzliche Beine" gestellt werden. "Das Pilotprojekt dazu läuft jetzt aus", erklärte die Leiterin des saarländischen Krebsregisters, Christa Stegmaier. Man brauche dann eine gesetzliche Grundlage, um auch weiter an die Daten der anspruchsberechtigten Bürger heranzukommen.

Das saarländische Gesundheitsministerium hat nun zum siebten Mal die Kampagne "Saarland gegen Darmkrebs" aufgelegt. Neu ist, dass die Kampagne auf Unternehmen, Organisationen und in öffentlichen Einrichtungen ausgedehnt wird. Bereits Anfang März waren rund 35 000 Bedienstete und Ehemalige der Landesverwaltung per Ministerbrief zur Vorsorge eingeladen worden. Die Darmkrebs-Spiegelungen werden in 28 gastroenterologischen und internistischen Praxen sowie in den Knappschaftskliniken vorgenommen.

"Bei 30 Prozent der Untersuchungen haben wir klare Befunde, und wissen, dass sie in kurzer Zeit bösartig werden", sagte der Vorsitzende des Berufsverbandes niedergelassener Gastroenterologen im Saarland, Dr. Thomas Stolz. Er zeigt sich überzeugt, dass die Zahl der Neuerkrankungen dank der Vorsorge in den nächsten Jahren zurückgehen wird.
Derzeit gibt es im Saarland nach Angaben des Krebsregisters pro Tag zwei bis drei Darmkrebs-Neuerkrankungen. "Darmkrebs ist damit bei uns die häufigste Krebserkrankung", erläuterte Register-Leiterin Stegmaier. Pro Jahr würden im Saarland immer noch 450 Menschen an Darmkrebs sterben.-

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