Ärzte Zeitung, 14.04.2010

Impfstoff nur noch aus einer Apotheke?

In Sachsen-Anhalt sind Ärzte über eine Vorgabe der Krankenkassen stark irritiert

MAGDEBURG (zie). Nur noch eine einzige Apotheke soll Sachsen-Anhalt mit Impfstoff beliefern. Diese Anordnung der Kassenverbände sorgt für Ärger.

Energisch verwahrt sich zum Beispiel Landes-Hausärztechef Andreas Petri gegen das Vorhaben der Kassen, Grippeimpfstoffe für die Saison 2010/2011 nur noch bei der SternApotheke in Magdeburg bestellen zu dürfen. Dies hatten die Krankenkassenverbände nach einer europaweiten Ausschreibung verfügt. Die Vertragsärzte sind demnach verpflichtet, den Grippeimpfstoff nur in dieser Apotheke zu bestellen. In einem gemeinsamen Schreiben der Kassen heißt es: "Bei Einhaltung des Bezugsweges sind Sie vor Regressforderungen wegen unwirtschaftlichen Bezuges von Grippeimpfstoff geschützt.” Die Kassen raten den Ärzten: "Falls Sie bereits Grippeimpfstoffe bei einem Hersteller oder einer anderen Apotheke vorbestellt haben, gehen Sie bitte aktiv auf Ihre Lieferanten zu. Nach unseren Informationen räumen die Hersteller aufgrund der Ausschreibung Rücktrittsrechte ein.”

Petri wertet das als Affront gegen die Ärzte und sieht die Grippeschutzimpfung im Herbst gefährdet. "Wir sind der Auffassung, dass insbesondere der zentrale Vertrieb zu einem Debakel führt.” Völlig unklar sei, wie ein einzelner Lieferant die Ärzte bedarfs- und zeitgerecht mit Impfstoffen versorgen kann. Immerhin gebe es in Sachsen-Anhalt 2500 "impfende Arztpraxen”. Aber auch die Einschränkung auf vorgegebene Impfstoffe sei nicht hinzunehmen. "Offensichtlich handeln die Kassen nach der Devise: Am kostengünstigsten ist die Impfung dann, wenn nicht viele Patienten geimpft werden.”

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