Ärzte Zeitung, 19.04.2010

"Ärztetag der Basis" ruft zum Streik auf

HANNOVER (cben). Der 5. Ärztetag der Basis der freien Ärzteschaft hat am Samstag in Hannover die deutsche Ärzteschaft zum Streik aufgerufen. Die Ärzte des Landes sollen "in großer Geschlossenheit mit regional abgestuften, kompletten Arbeitsniederlegungen gegen die ungebremste Missachtung des ärztlichen Berufsstandes anzugehen", heißt es in einer Resolution.

"Mit umfassenden Arbeitsniederlegungen in den Praxen der niedergelassenen Ärzteschaft noch in diesem Jahr - beginnend in den Ballungsräumen über regionale Aktionen bis hin zu bundesweiten solidarisch untermauerten Kampfmaßnahmen - müssen wir die Politik zum Umdenken zwingen."

Zwar waren sich die 70 Anwesenden in der Situationsbewertung einig, uneinig aber beim Entschluss zu streiken. "Wir sind stark geschrumpft", sagte Präsident Grauduszus, "aber wir haben Sympathisanten, die wir aus ihrer Lethargie wecken wollen." Der Streikaufruf soll ein Schritt dahin sein. Am Schluss stimmten 39 Kollegen für die Resolution, 15 dagegen, fünf enthielten sich.

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Berufspolitik (17101)
[19.04.2010, 20:11:51]
Dr. Ulrich Thamer 
Repräsentieren 70 Ärztinnen und Ärzte die Basis ..
.. und ist es noch angemessen, wenn 39 davon die übrigen 140.000 Vertragsärzte zum Streik aufrufen? Das wirkt schon grotesk und in dieser Selbstüberschätzung auch hilflos. Wenn die Organisation der Freien Ärzteschaft, die durchaus wie andere freie Ärzteverbände eine wichtige Funktion wahrnimmt, stark geschrumpft ist, stellt sich die Frage nach dem Warum. Nur Opposition sein zu wollen, rigide Forderungen zu perpetuieren und Andersdenkende aus zu grenzen, scheint kein Erfolgsrezept zu sein.
Deshalb wird jetzt auch kaum einer dem Streikaufruf folgen wollen.
Es wäre klug, etwas nicht durchzuführen, von dem von Vornherein zu erwarten ist, dass es nicht gelingt und mehr schadet als nützt.

Dr. Ulrich Thamer, Robert-Schimrigk-Str. 3-6, 44141 Dortmund
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