Ärzte Zeitung, 20.04.2010

Kein Ende im Streit um Notarztversorgung in Kassel

Rot-Kreuz-Krankenhaus und Diakonie-Kliniken sind sauer über veränderte Notarzt-Standorte.

KASSEL (kaj). Die Umordnung der Notarztversorgung sorgt in Kassel für Ärger. Das Rot-Kreuz-Krankenhaus und die Diakonie-Kliniken fühlen sich bei der Besetzung eines Notarzteinsatzfahrzeuges (NEF) für den Westen der Stadt übergangen. Es habe ein "Geschmäckle", dass die Feuerwehr von Stadt und Landkreis den Auftrag an das kommunale Großklinikum vergeben hat, meinen beide.

Die Neuordnung soll ab Anfang 2011 greifen. Dabei wird ein NEF, das bisher am Klinikum im Norden der Stadt steht, an einer Feuerwache im Westen stationiert. Die Ärzte stellt weiterhin der kommunale Maximalversorger. Auch von dort sollen weiterhin Einsätze gefahren werden: Ärzte, die bislang für die Besetzung eines Intensivtransportwagens bereitstehen, sollen künftig auch reine Notarzteinsätze fahren. Dafür erhalten sie ein neues, kleines Fahrzeug.

Rot-Kreuz-Krankenhaus und die Diakonie-Kliniken, die beide wie die Feuerwache im Kassler Westen liegen, hatten ebenso Interesse angemeldet, die Notarztversorgung für diesen Bereich zu übernehmen.

Beide lassen anklingen, das kommunale Klinikum habe Schwierigkeiten, die Dienste zu besetzen. "Wir hätten die Ärzte", sagt Michael Griebner, Geschäftsführer am Rot-Kreuz-Krankenhaus. Schon bisher besetze sein Haus den Rettungshubschrauber. "Aber sie wollen uns nicht." Auch sei die NEF-Stationierung an einer Feuerwache ineffektiv. Dr. Andreas Fiehn, Anästhesie-Chefarzt an den Diakonie-Kliniken, spricht gar von "Wettbewerbsverzerrung": "Wir merken schon, dass die Notärzte einen Bogen um uns machen", sagt er. Das Klinikum bekomme immer mehr die Möglichkeit, Patienten zu lenken und sich lukrative Fälle herauszupicken.

Am Klinikum weist man all diese Vorwürfe zurück. Man sei beauftragt worden, den neuen Standort zu besetzen. Das könne man gar nicht ablehnen. Etwa fünf neue Ärzte werde man für die Aufgabe einstellen. Und es hänge noch von Verhandlungen mit den Krankenkassen ab, ob das kostendeckend sei.

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