Ärzte Zeitung, 18.05.2010

Nordosten will Biotop für den Nachwuchs sein

Mecklenburg-Vorpommern rollt den roten Teppich für angehende Hausärzte aus. Die Koordinierungsstelle für die allgemeinmedizinische Weiterbildung will ideale Bedingungen für den Nachwuchs schaffen.

Von Dirk Schnack

Nordosten will Biotop für den Nachwuchs sein

Trotz eines roten Teppichs wird es mancherorts schwer sein, hausärztlichen Nachwuchs für eine Niederlassung zu begeistern. © imagebroker / imago

SCHWERIN. Zuerst bekommen die Studenten kaum Informationen, dann tun sich Lücken in der Weiterbildung auf, bevor sie bei der Suche nach einem Vertragsarztsitz allein gelassen werden und anschließend auch noch das Honorar Frust auslöst. In fast allen Regionen Deutschlands klagen Hausärzte über diese erschwerenden Bedingungen bei der Ergreifung ihres Berufs.

Wo der drohende Ärztemangel am höchsten ist, hat man am schnellsten auf die Defizite reagiert. Im Nordosten wurde schon vor drei Jahren das Referat Verbundweiterbildung bei der KV eingeführt, in dem inzwischen die auf Bundesebene beschlossene Koordinierungsstelle für die allgemeinmedizinische Weiterbildung aufgegangen ist. Weil man sich in Schwerin schon seit Jahren mit dem Nachwuchsmangel beschäftigen muss, finden angehende Hausärzte dort inzwischen auf sie zugeschnittene Bedingungen.

An den Unis Rostock und Greifswald wird über die hausärztliche Tätigkeit informiert, in Rostock flankiert durch den im vergangenen Jahr eingerichteten Lehrstuhl. Die Koordinierungsstelle gewährleistet, dass jeder Interessent eine lückenlose Weiterbildung in der Allgemeinmedizin erhält. Dazu bestehen zwischen KV und Kliniken Kooperationsverträge. Darin verpflichten sich die Krankenhäuser zu einer ausreichenden Stellenzahl für Ärzte in Weiterbildung, während die KV für das entsprechende Stellenangebot im ambulanten Bereich sorgt und den Nachwuchs in die Praxen vermittelt. Derzeit befinden sich im Nordosten 39 Ärzte in der Verbundweiterbildung. Sie können sich nebenher in Informationsveranstaltungen auf ihre künftige Tätigkeit als Praxisinhaber vorbereiten, etwa in Seminaren zu den Themen Abrechnung oder Bedarfsplanung. Ein anderes Defizit hat die KV längst beseitigen können: das vermeintlich zu niedrige Honorar. Im Durchschnitt erzielen Hausärzte in Mecklenburg-Vorpommern heute einen Umsatz aus vertragsärztlicher Tätigkeit in Höhe von 57 000 Euro im Quartal. Faustregel: Auf dem Land fällt das Honorar höher aus als in den Städten.

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