Ärzte Zeitung, 17.05.2010

Kammern wollen beim Medizin-Studium Einfluss auf die Studenten-Auswahl

Gegen den Bachelor, mehr Mobilität für PJler und eine bessere Lehre im Fach Allgemeinmedizin: Die Delegierten des Ärztetages verlangen Änderungen beim Studium, um mehr qualifizierten Nachwuchs zu gewinnen.

Kammern wollen beim Medizin-Studium Einfluss auf die Studenten-Auswahl

Für Medizin-Studenten soll es bald kein "Hammerexamen" mehr geben. © Uni Greifswald

DRESDEN (bee). Mehr Inhalte, weniger Bürokratie: Die Delegierten des Ärztetages mahnen Reformen des Medizinstudiums an. Um den künftigen Mangel an Hausärzten zu bekämpfen, werden die deutschen Medizin-Fakultäten aufgefordert, sich intensiver für das Fach Allgemeinmedizin einzusetzen. "Das Interesse muss weiter gefördert und gestärkt werden", heißt es in einem Entschließungsantrag des Vorstandes der Bundesärztekammer. Allerdings lehnten die Delegierten die große Reform im Medizinstudium - die Umstellung auf Bachelor- und Master-Studiengänge - erneut ab.

Das zentrale Zulassungskriterium zum Studium soll weiter die Abiturnote bleiben. Anders lautende Pläne, die in den vergangenen Wochen diskutiert wurden, werden abgelehnt. Auch wollen die Kammern mehr Mitspracherecht bei der Auswahl der Medizinstudenten. Bei den Gesprächen sollen Vertreter der Kammern anwesend sein. "Die Unis haben sie einige Jahre, wir als Kammern ein Berufsleben lang", sagte BÄK-Präsident Jörg-Dietrich Hoppe. Praktika und eine medizinische Berufsausbildung sollen eine Studienplatzbewerbung positiv beeinflussen.

Auch bei den Inhalten des Studiums soll sich nach Willen des Ärztetages einiges ändern: So fordern die Delegierten das zuständige Bundesgesundheitsministerium auf, die Approbationsordnung so zu ändern, dass vor dem Praktischen Jahr der zweite schriftliche Teil der Ärztlichen Prüfung abgelegt wird. Damit soll das "Hammerexamen" abgeschafft werden. Auch soll es bei der Wahl der Klinik für das PJ mehr Freiräume geben. Hier fordern die Delegierten ein Ende der Beschränkung auf wenige Lehrkrankenhäuser. Außerdem wollen die Delegierten, dass Studenten den Ort für das PJ deutschlandweit frei wählen können. Bisher ist die Wahl der Klinik auf die Lehrkrankenhäuser beschränkt, die an die Universität angeschlossen sind.

[21.06.2010, 21:32:58]
Dr. Timo Spanholtz 
Musterbeispiel Private Universitäten
Liebe Leser!

Als Delegierter der Ärztekammer Nordrhein habe ich beim diesjährigen Ärztetag in Dresden natürlich auch für eine Erweiterung der Beurteilungskriterien plädiert. Die Abinote kann in Zukunft nicht alleiniges Kriterium bei der Vergabe von Studienplätzen sein. Das Ziel, dem Hausarztmangel positiv entgegenzuwirken ist dabei nur ein Puzzelteil, da auch für alle anderen Disziplinen nicht eine gute Note in Sport, Biologie oder Religion über die Eignung zu Arztberuf Auskunft gibt, sondern das Gesamtbild des Bewerbers. Als Fakultätsmitglied des Lehrstuhls für Plastische Chirurgie der Privaten Universität Witten/Herdecke habe ich die Auswahlgespräche gesehen und selbst geführt und sie als absolut geeignetes Instrument erlebt. Oftmals tritt hinter einem persönlichen Eindruck die Abiturnote in den Hintergrund, obgleich sie eine unerschütterliche Basis für das Studium bleiben muss. Die liste-junge-aerzte.de unterstützt daher den Vorstoss des Ärztetags die Auswahl im Kriterien zu erweitern, die geeignete, motivierte und talentierte Ärzte hervorbringen - denn das sind die Kollegen, die wir in Deutschland brauchen! zum Beitrag »

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