Ärzte Zeitung online, 28.05.2010

KVen in NRW drängen auf schnelle Honorar-Reformen

Westfalen-Lippe und Nordrhein wollen bei der bundesweiten Angleichung des Behandlungsbedarfs nicht warten

KÖLN (iss). Die Kassenärztlichen Vereinigungen Nordrhein (KVNo) und Westfalen-Lippe (KVWL) geben bei der Honorarproblematik keine Ruhe. Sie wollen sich in einer konzertierten Aktion für eine schnellere bundesweite Angleichung des Behandlungsbedarfs einsetzen und für größere Spielräume bei der Honorarverteilung.

KVen in NRW drängen auf schnelle Honorar-Reformen

Die KVWL würde gerne das Honorar wieder eigenständig verteilen. 
© Robert Emprechtinger / fotolia.com

"Wir müssen uns wehren, sonst geht unser ganzes System den Bach hinunter", sagt der KVWL-Vorsitzende Dr. Ulrich Thamer der "Ärzte Zeitung". Die KVWL hat die Bescheide über die Regelleistungsvolumina für das dritte Quartal fertig gestellt. "Nur weil wir aufgrund der Konvergenzphase umverteilen konnten, haben wir ein einigermaßen vorzeigbares Ergebnis", sagt er. HNO-Ärzte, Augenärzte, Urologen und Orthopäden mussten gestützt werden.

"Wenn wir das Honorar wieder eigenständig verteilen könnten, stünden wir besser da", zeigt sich der KVWL-Chef überzeugt. Dann könnte die KV verhindern, dass Geld an Arztgruppen fließt, denen es ohnehin besser geht als anderen.

Auch KVNo-Vorstand Bernhard Brautmeier sieht Handlungsbedarf. "Aufgrund der bundeseinheitlichen Vorgaben entstehen Schieflagen", sagt er. Während der Konvergenzphase könnten die KVen an einigen Stellen nachbessern. "Es darf nicht sein, dass danach einzelne Gruppen komplett hinten runter fallen", warnt Brautmeier. Es sei nicht mehr vermittelbar, dass im Jahr 2009 in Nordrhein zwar mehr Geld an die Niedergelassenen geflossen ist, aber 70 Prozent der Fachärzte und 50 Prozent der Hausärzte verloren hätten.

Die von der Selbstverwaltung auf Bundesebene initiierten Maßnahmen zur Lösung der Probleme wirkten nur langfristig, sagt Thamer. Das gelte etwa für die geplante Angleichung des Behandlungsbedarfs in fünf Jahren. "Fünf Jahre können und wollen wir nicht warten."

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