Ärzte Zeitung online, 08.06.2010

Ärzte-Tarifverhandlungen unterbrochen

FRANKFURT/MAIN (dpa). Die Tarifverhandlungen für die Ärzte an den kommunalen Krankenhäusern sind am Montagabend nach mehrstündigen Verhandlungen unterbrochen worden. Am Dienstag um 08.30 Uhr sollen die Gespräche weitergehen, teilten beide Tarifparteien der Nachrichtenagentur dpa mit.

Wochenlang hatte im Tarifstreit an den kommunalen Krankenhäusern Funkstille zwischen der Ärztegewerkschaft Marburger Bund und der Vereinigung kommunaler Arbeitgeberverbände (VKA) geherrscht. Beide Seiten kamen am Montag in einem Offenbacher Hotel zusammen.

Am vergangenen Wochenende hatte es nach Angaben des Marburger Bunds informelle Kontakte und positive Signale der Arbeitgeber gegeben. Bis zu einem verbindlichen Angebot werde aber weiter gestreikt. Die Arbeitgeber gingen nach eigener Darstellung ohne eine vorherige Festlegung in die neuen Gespräche.

Auf einer zentralen Kundgebung auf dem Frankfurter Römerberg verliehen am Nachmittag mehrere tausend Ärzte ihren Forderungen noch einmal Nachdruck. In seiner Rede verteidigte der Chef des Marburger Bunds, Rudolf Henke, den Arbeitskampf für die rund 55 000 Mediziner an kommunalen Kliniken.

"Krisen werden immer schlimmer, je länger man wartet, bis man etwas unternimmt. Das haben wir in der Finanz- und Wirtschaftskrise doch gelernt", rief er den Teilnehmern der Kundgebung zu, die mit Transparenten und Trillerpfeifen aus allen Teilen Deutschlands nach Frankfurt gekommen waren.

"Was wir fordern, dient dazu, die Patientenversorgung in den deutschen Krankenhäusern sicherzustellen", unterstrich Henke. Der Marburger Bund sprach von rund 5000 Demonstranten, die Polizei gab die Zahl der Teilnehmer mit bis zu 2000 an.

Begleitet von lautstarkem Beifall wandte sich der Chef der Ärztegewerkschaft an die Arbeitgeber. "Jetzt müsst ihr handeln!", forderte er. Zugleich signalisierte er Verhandlungsbereitschaft: "An der Zahl vorm Komma wird eine Einigung nicht scheitern."

Der Marburger Bund fordert für die 55 000 Ärzte an den bundesweit 700 kommunalen Kliniken 5 Prozent mehr Geld sowie deutlich besser bezahlte Bereitschaftsdienste. Die kommunalen Arbeitgeber bieten 2,9 Prozent für eine Laufzeit von 33 Monaten. Die Verhandlungen waren Anfang April gescheitert.

Henke kritisierte die Bezahlung von Nachtarbeit im Volldienst, die mit einem Nachtzuschlag von 1,28 Euro in der Stunde vergütet werde. "Von 1,28 Euro kann man sich noch nicht mal ein Frankfurter Würstchen kaufen", rief er unter großem Beifall der Kundgebungsteilnehmer.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »