Ärzte Zeitung, 09.07.2010

Medizinfakultät in Lübeck scheint vorerst gerettet

Bund will über Umwege die 25 Millionen Euro bereitstellen / Finanzierung der Uni soll künftig über eine Stiftung gesichert werden

LÜBECK (di). In Lübeck werden auch künftig angehende Mediziner ausgebildet. Möglich macht dies eine Förderung des Bundes in Höhe von 25 Millionen Euro jährlich.

Medizinfakultät in Lübeck scheint vorerst gerettet

Vor kurzem kämpften sie noch in Lübeck um den Erhalt ihrer medizinischen Fakultät - nun springt der Bund ein, die Studienplätze sind offenbar gerettet.

© di

Die für die Forschungslandschaft im Norden vorgesehene zusätzliche Förderung entlastet Schleswig-Holstein genau in der Höhe, die durch die zur Disposition gestellten Medizinstudienplätze Lübeck eingespart werden sollte. Damit wird das Land in die Lage versetzt, auch künftig an zwei Standorten die dringend benötigten Ärzte auszubilden.

Das Land hatte wie berichtet geplant, Mediziner künftig nur noch in Kiel auszubilden, um jährlich rund 25 Millionen Euro einzusparen. Dagegen hatte es in Lübeck massiven Protest gegeben, der von den ärztlichen Körperschaften mit Blick auf die fehlenden Ärzte unterstützt wurde. Der Zuschuss des Bundes wird auch die von Lübeck im Alternativkonzept vorgeschlagene Reduzierung der Ausbildungszahlen im Norden nicht erforderlich machen. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Peter Harry Carstensen und Wissenschaftsminister Jost de Jager haben bereits signalisiert, dass sie dafür keine Notwendigkeit mehr sehen. In Kiel und Lübeck werden pro Semester rund 480 Medizinstudenten ausgebildet.

Den Zuschuss leistet das Bundesforschungsministerium für eine neue Trägerschaft für das Kieler Institut für Meereskunde, sodass Schleswig-Holstein die an dieser Stelle eingesparten Landesmittel nach Lübeck umleiten kann. Forschungsministerin Annette Schavan machte keinen Hehl daraus, dass Lübeck in diesem Zusammenhang den Ausschlag gegeben hatte.

In der Hansestadt herrschte nach der Bekanntgabe aus Berlin große Erleichterung, weil ohne die Medizinerausbildung die komplette Uni vor dem Aus gestanden hätte und einige Medizintechnikfirmen über einen Umzug nachgedacht hätten. Uni-Präsident Professor Peter Dominiak kündigte an, trotz der nun gesicherten Finanzierung den Weg zu einer Stiftung fortzusetzen. Ziel ist es, unabhängiger von öffentlichen Mitteln zu werden. Unklar ist noch, wie die beiden im Zuge der Sparvorschläge heftig aneinander geratenen Universitätsstandorte wieder zueinander finden.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Lübeck gerettet - Flurschaden bleibt

Lesen Sie dazu auch:
Weiter Kampf um Studiengang Medizin in Lübeck
14 000 protestieren gegen Aus für Medizinfakultät
Lübeck demonstriert für den Erhalt des Medizinstudiengangs
Zeitung: Schavan will Medizin an der Uni Lübeck retten
Das Aus fürs Medizinstudium in Lübeck? Im Norden drohen harte Einschnitte

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Zahl der Behandlungsfehler stagniert

Die neue Statistik der Bundesärztekammer liegt vor. Sie zeigt, wo die meisten Behandlungsfehler passierten und wie die Schlichterstelle meistens entschied. mehr »

Abstimmung über Trumps Gesundheitsreform verschoben

Die Republikaner haben nicht genügend Stimmen für die Abschaffung von "Obamacare" zusammen, verschieben die Abstimmung im Kongress. Trump muss warten - das kann ihm nicht schmecken. Aber das Weiße Haus macht Druck. mehr »

Regelmäßiges Frühstück ist offenbar gut fürs Herz

Wer regelmäßig frühstückt, beugt damit offenbar kardiovaskulären Erkrankungen vor, berichtet die American Heart Association (AHA). mehr »