Ärzte Zeitung, 23.07.2010

Selbstmedikation - Apotheker informieren Ärzte

Patienten in einem DMP brauchen eine passende Medikation. Ein Projekt der MHH will die Kommunikation zwischen Ärzten und Apothekern stärken.

Selbstmedikation - Apotheker informieren Ärzte

Patienten mit Typ-2-Diabetes und Bluthochdruck sollen ihre Medikation vom Apotheker überprüfen lassen, der Arzt passt sie dann an.

© Kroener / fotolia.com

HANNOVER (cben). Ärzte und Apotheker in Stade und Oldenburg (Niedersachsen) sollen sich in einem Modellprojekt von diesem Herbst an enger bei der Verordnung von Arzneimitteln für DMP-Patienten abstimmen. Die zwei jeweiligen pharmazeutischen Qualitätszirkel in den beiden Städten sollen die bessere Kommunikation zwischen Ärzten und Apothekern erproben und damit die Behandlungssicherheit verbessern, Polymedikation vermeiden und unerwünschte Arzneimittelinteraktionen verhindern.

Der Name des Modell-Projektes: "Bündnis für System-Compliance". In den Modellregionen rekrutieren die Krankenkassen DMP-Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 und Bluthochdruck. Insgesamt sollen rund 1500 Patienten teilnehmen. Die teilnehmenden Apotheker überprüfen die aktuelle Medikation, besonders im Hinblick auf die Selbstmedikation mit Analgetika. Dann erstellen sie für den Arzt eine individuelle Medikamentenliste mit Hinweisen zu eventuellen Kontraindikationen oder anderen Medikamentenproblemen. Der Arzt überprüft die Medikation und passt sie gegebenenfalls an. Bei komplexen Medikationsproblemen kann er sich vom Arzneimittel-Therapie-Informationssystem (ATIS) der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) beraten lassen.

Mit System-Compliance sei für die Initiatoren nicht allein die Therapietreue der Patienten gemein, so Professor Dirk Stichtenoth von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), sondern sie werde verstanden als Produkt von compliant-orientierten Haltungen, Informationen und Fähigkeiten von Patienten und Ärzten, erklärte Stichtenoth. Nach einem Jahr evaluiert die MHH das Projekt.

Das Modellprojekt wird von der Apothekerkammer Niedersachsen, der Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen, den Krankenkassen AOK Niedersachsen, DAK und hkk sowie der MHH getragen. Es basiere auf der freiwilligen Teilnahme von Ärzten, Apothekern und Patienten und dem "good will" aller Beteiligten und kommt ohne Zusatzkosten aus.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Sind Computer bald die besseren Therapeuten?

Immer mehr Online-Psychotherapien drängen auf den Markt. Die meisten sind weder besonders einfühlsam noch allzu intelligent. Dennoch sind die Erfolge erstaunlich. mehr »

Kollege Computer, übernehmen Sie!

Eine computer-basierte Verhaltenstherapie kann Insomnie-Patienten den Schlaf zurückgeben. Der Erfolg ist ähnlich gut wie durch menschliche Therapeuten, bescheinigt ein kalifornischer Professor. mehr »

Kein frisches Geld in Sicht

Die umfassende Studien-reform soll zunächst ohne zusätzliches Geld auskommen. Darauf haben sich Bund und Länder geeinigt, wie aus dem vertraulichen Papier hervorgeht. mehr »