Ärzte Zeitung online, 02.08.2010

Thüringen: Kassen kritisieren zu kleine Klinik-Fachabteilungen

ERFURT (rbü). In der Diskussion um den sechsten Krankenhausplan haben sich die Thüringer Krankenkassen für eine Zusammenlegung kleiner Fachabteilungen ausgesprochen.

Eine Studie des Berliner IGES-Instituts prognostiziert bis 2015 einen drastischen Bettenüberhang und schlägt eine Bedarfsprüfung von Fachabteilungen mit weniger als 25 Betten vor. Das Gutachten dient als Grundlage für den nächsten Krankenhausplan, der derzeit im Gesundheitsministerium erarbeitet wird.

Der vdek Thüringen sieht den Abbau auch als Chance, die Qualität zu steigern. "Wir wollen einen Krankenhausplan, der nicht auf Quantität, nicht auf möglichst viele Standorte und Fachabteilungen ausgerichtet ist, sondern auf Qualität", sagt vdek-Landeschef Michael Domrös zur "Ärzte Zeitung".

Die Kassenverbände stellen bereits die Leistungsfähigkeit kleiner Fachabteilungen mit 15 und weniger Betten infrage und schlagen eine Zusammenlegung mit benachbarten Kliniken vor. Dies beträfe 21 Abteilungen an 14 der insgesamt 39 Plankrankenhäuser in Thüringen. Die durchschnittliche Auslastung der Kliniken betrage derzeit nur 78 Prozent, in der Pädiatrie stehe sogar jedes zweite Bett leer, kritisiert Domrös.

Angesichts der demografischen Entwicklung, einer sinkenden Verweildauer der Patienten sowie des drohenden Ärztemangels sei die jetzige "Feingliedrigkeit an Fachabteilungen" nicht mehr leistbar. "Gerade in kleinen Fachabteilungen besteht die Gefahr, dass man die nötigen Ärzte nicht mehr rund um die Uhr vorhalten kann", befürchtet Domrös. Deshalb müssten Patienten für eine gute Versorgung auch weitere Wege in Kauf nehmen. Eine Entfernung von bis zu 35 Kilometern bis zur nächsten Klinik hält der vdek-Chef für zumutbar.

Unabhängig davon schlägt er eine flächendeckende Grundversorgung in allen Krankenhäusern vor, die vor allem Innere Medizin, Chirurgie sowie Pädiatrie umfasst, aber gleichzeitig eine Konzentration spezieller Leistungen in Landeszentren, beispielsweise für Transplantationen, Herzchirurgie oder Tumorbehandlungen. Dies müsse auch im neuen Krankenhausplan festgeschrieben werden, fordert Domrös.

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