Ärzte Zeitung online, 03.08.2010

Rettung des Medizinstandortes Lübeck: Neuer Wirbel nach Interview

KIEL (dpa). Mit Interview-Äußerungen zum Tauziehen um den letztlich mit Bundesgeldern geretteten Medizinstandort Lübeck hat FDP-Landtagsfraktionschef Wolfgang Kubicki scharfe Kritik ausgelöst. Von Zynismus sprach am Montag die SPD, von unfassbaren Äußerungen die Grünen, von einer "Sauerei" der SSW.

Rettung des Medizinstandortes Lübeck: Neuer Wirbel nach Interview

Bei der Eröffnung der Kieler Woche protestierten Studenten für den Erhalt der Uni Lübeck. War damals schon alles klar?

© dpa

Kubicki hatte den "Lübecker Nachrichten" gesagt, dass für ihn die Uni Lübeck nie auf der Kippe stand. Er habe gewusst, dass der Bund bereit sei, "uns diesen Kostenblock abzunehmen". Diese inoffizielle Zusage vom Dezember habe in der Haushaltsplanung aber nicht veranschlagt werden können.

Die Ankündigung der schwarz-gelben Koalition, aus Sparzwang das Medizinstudium in Lübeck zu schließen, hatte Ende Mai vehemente Proteste ausgelöst. Die Opposition warf Kubicki vor, mit den Ängsten der Menschen zu spielen. Dem Lübecker Uni-Präsidenten Peter Dominiak hatte Kubicki nach seiner Darstellung gesagt: "Vertrauen Sie mir! (Ministerpräsident) Peter Harry Carstensen (CDU) und ich bekommen das hin. Aber lassen auch Sie nicht mit den Demonstrationen nach. Das hilft uns in Berlin." Mit Hilfe des Bundes kann das Medizinstudium mittlerweile bestehen bleiben.

Grünen-Fraktionschef Robert Habeck nannte Kubickis Äußerungen unfassbar und dreist. "Er soll sich selbst verarschen, aber aufhören, die Bevölkerung im Land für dumm zu verkaufen." Die Koalition spiele mit den Ängsten der Menschen. "In der Konsequenz heißt das ja, sie drohen das ganze Land in Schutt und Asche zu legen, weil sie sich selbst in Berlin nicht durchsetzen können. Ich halte das alles für erfunden und erlogen", sagte Habeck zu Kubickis Äußerungen.

Lesen Sie dazu auch:
Hilfe vom Bund: Medizinfakultät in Lübeck scheint vorerst gerettet

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