Ärzte Zeitung online, 10.08.2010

Fachärzte lehnen generelle Öffnung der Kliniken für ambulante Versorgung ab

BERLIN (hom). Das Krankenhaus als Ersatz für die Arztpraxis? Nach Einschätzung führender deutscher Facharztverbände ist dies kein Modell, um die ambulante Versorgung in Deutschland sicherzustellen.

Fachärzte lehnen generelle Öffnung der Kliniken für ambulante Versorgung ab

Ambulante Versorgung in der Klinik: die deutschen Facharztverbände stellen sich gegen eine generelle Öffnung.

© blickwinkel / imago

Denkbar sei allenfalls eine "bedarfsabhängige Öffnung einzelner Leistungsbereiche", sofern diese ambulant nicht abgedeckt werden könnten, heißt es in einem der "Ärzte Zeitung" vorliegenden offenen Brief des Präsidenten der Gemeinschaft Fachärztlicher Berufsverbände (GFB), Dr. Siegfried Götte, an Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP).

Der GFB reagierte damit auf ein kürzlich von der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) vorgelegtes Positionspapier zur ambulanten und stationären Versorgung. Darin fordert der Krankenhausverband, die Kliniken künftig stärker in die ambulante Versorgung einzubinden.

Als Grund für ihren Vorstoß hatte die DKG den zunehmenden Mangel an niedergelassenen Ärzten insbesondere in ländlichen Regionen angeführt. Dadurch drohe die ambulante Versorgung zusammenzubrechen, deshalb müssten die Krankenhäuser stärker ambulant tätig werden. Auch bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) war der Vorstoß der Kliniken auf Skepsis gestoßen.

GFB-Chef Götte betonte, im Grundsatz verfolgten Fachärzte und Kliniken dasselbe Ziel: "Gemeinsam die ambulante Versorgung der Patienten sichern." Dies müsse allerdings nach dem Grundsatz "ambulant vor stationär" geschehen. Die ambulante fachärztliche Versorgung sei nachweisbar die flexiblere und kostengünstigere Versorgungsvariante im Gesundheitswesen. Daher dürfe sie nicht geschwächt werden, warnte Götte.

Götte sprach sich zudem gegen Medizinische Versorgungszentren (MVZ) in den Händen von Kliniken aus. Es bestehe die Gefahr, dass "wirtschaftliche Interessen der Krankenhäuser in den Vordergrund gestellt werden und die fachliche Unabhängigkeit der im MVZ arbeitenden Ärzte gefährdet wird". Laut Koalitionsvertrag von Union und FDP soll die Möglichkeit für Kliniken, ein eigenes MVZ zu gründen, eingeschränkt werden. Dennoch sollen Klinik-MVZ auch künftig unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt sein.

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