Ärzte Zeitung online, 11.08.2010

Richtungswahl im Ländle: Medi und Hausärzte wollen KV-Vorstand stellen

STUTTGART (bee). Bei der KV-Wahl in Baden-Württemberg sind die Stimmen ausgezählt: Medi erreichte insgesamt 13 Sitze, der Hausärzteverband zehn - zusammen haben sie keine Mehrheit, wollen aber gemeinsam den Vorstand besetzen. Die Fachärzte sowie die Allianz unabhängiger Ärzte erhalten je fünf Sitze.

Richtungswahl im Ländle: Medi und Hausärzte wollen KV-Vorstand stellen

Bei der Wahl, bei der es in der Fusions-KV zum ersten Mal einen landeseinheitlichen Wahlbezirk gab, erreichte Medi mit über 122 000 Stimmen das beste Ergebnis. Umgerechnet bedeutet dies 13 Sitze für die kommende Legislaturperiode. Im Vergleich zur vergangenen Wahl allerdings verloren sie fünf Sitze in der Vertreterversammlung (VV). Für Medi-Chef Dr. Werner Baumgärtner votierten 8917 Ärzte - damit erreichte der Spitzenkandidat die meisten Stimmen bei der VV-Wahl.

Die Hausarztliste des Hausärzteverbandes konnte über 88 000 Stimmen auf sich vereinen. Auf den ersten Platz kam der örtliche Hausarztchef Dr. Berthold Dietsche.

Eine Überraschung gab es bei der "Allianz unabhängiger Ärzte". Hier schaffte es der bisherige Sprecher, der Allgemeinmediziner Dr. Martin Wagner, nicht in die kommende Vertreterversammlung. Er landete auf Platz sechs, die Allianz erreichte aber nur fünf Sitze. Unter dem Dach der Allianz sind Verbände wie das Gesundheitsnetz Süd, NAV Virchowbund, Hartmannbund sowie regionale Ärztenetze vertreten.

Nach dem amtlichen Endergebnis haben Medi und der Hausärzteverband mit insgesamt 23 Stimmen zunächst keine Mehrheit in der kommenden 50-köpfigen Vertreterversammlung. Der Hausärzteverband teilte mit, dass nach ersten Gesprächen mit Medi gemeinsame Kandidaten für die Wahl zum neuen Vorstand der KV Baden-Württemberg benannt werden sollen. Von der Medi-Liste soll Dr. Norbert Metke, Orthopäde aus Stuttgart, ins Rennen geschickt werden, vom Hausärzteverband wird Dr. Johannes Fechner aus Emmendingen nominiert. Metke war bereits der Medi-Spitzenkandidat für die Wahl.

Nach gesetzlicher Vorgabe muss der Vorstand der KV von bisher fünf auf zwei bis drei Personen reduziert werden. Keiner der bisherigen vier ärztlichen Vorstände wird der neuen VV vertreten sein. Ob der dritte Posten im Vorstand besetzt wird und wenn ja, mit wem, darüber wird derzeit heftig spekuliert. Nach dem Wahlergebnis gilt es aber als unwahrscheinlich, dass der bisherige KV-Chef, Hausarzt Dr. Achim Hoffmann-Goldmayer, noch einmal zur Wahl antritt.

Der Hausärzteverband kündigte an, auch mit andern Listen in den kommenden Wochen Gespräche über eine Zusammenarbeit führen zu wollen. Bei der Wahl in der Fusions-KV traten neun Listen und Einzelbewerber an. Ob die Mitglieder anderer Listen die Politik von Medi und dem Hausärzteverband unterstützten, wird sich in den kommenden Jahren zeiten. Auf einigen der kleineren Listen stehen einige Vertreter, die deutlich dem Lager aus Medi und Hausärzteverband zugerechnet werden können. So kann Professor Albrecht Hettenbach aus Göppingen, der einen der beiden Sitze der "Liste der ermächtigten Ärzte und Krankenhausärzte" erreichte, als Medi-Mitstreiter bezeichnet werden. Dagegen hat die Liste "Freie Ärzteschaft Baden-Württemberg", die bei der Wahl zwei Sitze erreichte, mit der Allgemeinärztin Dr. Susanne Blessing aus Tübingen eine klare Medi-Gegnerin an der Spitze.

Die Liste "Gemeinschaft der Fachärzte Baden-Württemberg GFB" hat fünf Sitze erreicht. Auch über diese Facharztliste ziehen weitere Medi-Mitstreiter in die VV im Ländle ein. Je nachdem wie sich die Mitglieder der anderen Listen verhalten, gäbe es rechnerisch eine Mehrheit für das Lager um Hausärzteverband und Medi.

Neu dabei ist die "Junge Liste", die bei der ersten Wahl auf Anhieb drei Sitze erreichen konnte. Auf der Liste stehen hauptsächlich Pädiater. Eine weitere neue Liste ist die "Sprechende Medizin", die auf Anhieb drei Sitze in der VV erhielt.

Für die fünf Plätze, die den Psychotherapeuten zustehen, haben drei Listen konkurriert. Hier hat das "Psychotherapeutenbündnis Baden-Württemberg" drei Sitze erreicht, die "Freie Liste" sowie "Psychotherapie ! und mehr" jeweils einen. Die regionale Verteilung ist trotz Fusions-KV erhalten geblieben. Zwar hat Nord-Baden etwas verloren, die regionale Verteilung ist aber erhalten geblieben. Zur Wahlbeteiligung konnte die KV noch keine Aussage machen.

Die Ergebnisse der Wahl sind vollständig unter: http://www.kvbawue.de/fileadmin/user_upload/Themenbuttons/Wahlen/Gesamtergebnis-Wahl-2010-LWA.pdf

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Hohes Sterberisiko bei Ausbruch in der Adoleszenz

Wenn sich Typ-1-Diabetes in einem besonders vulnerablen Alter manifestiert, brauchen Betroffene viel Aufmerksamkeit. Sie haben ein hohes Risiko, an Komplikationen zu sterben. mehr »

100 Prozent Zustimmung

Die KBV-Vertreterversammlung präsentiert sich in neuer Einigkeit und richtet die Speere – wieder – nach außen. Klare Kante gegenüber dem Gesetzgeber und den Krankenhäusern. "Wir sind auf Kurs", meldete KBV-Chef Gassen. mehr »

Herz-Kreislauf-Risiko von Anfang an im Blick behalten!

Bei RA-Patienten sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen die wichtigste Todesursache. Die aktuellen Therapiealgorithmen zielen nicht zuletzt darauf ab, die Steroidexposition zu begrenzen. mehr »