Sonntag, 12. Februar 2012
Ärzte Zeitung, 03.09.2010

Kommentar

Ermutigung, nicht Abschreckung!

Von Helmut Laschet

Wie wäre es, wenn die Bundesärztekammer und die Kassenärztliche Bundesvereinigung eine neue Melodie anstimmen würden? Etwa so:

"BÄK und KBV prognostizieren dem Ärztenachwuchs eine hervorragende Zukunft. Die beiden Spitzenorganisationen der deutschen Ärzteschaft haben die lange beklagte Ärzteschwemme nun endgültig für überwunden erklärt. Arbeitslosigkeit bei Ärzten ist faktisch nicht existent. Mehr noch als heute wird ihre Arbeit von Patienten in Zukunft stärker Wert geschätzt. Junge Ärzte haben heute mehr Wahlmöglichkeiten, als Klinikarzt oder auch als niedergelassener Arzt zu arbeiten. Die wachsende Morbidität einer alternden Bevölkerung verspricht den Ärzten der nächsten Generation eine krisenfeste Existenz."

Alle diese Aussagen lassen sich aus der am Freitag von BÄK und KBV vorgelegten neuesten Arztzahlstudie ableiten. Doch die Melodie, die die beiden Organisationen anstimmen und die medial verbreitet wird, ist ein tiefes Moll:

"Verbände schlagen Alarm: Ärztemangel immer größer. Ältere Mediziner ziehen sich zurück, der Nachwuchs aber hat andere Vorstellungen vom Job, wandert aus oder bricht das Studium ab. In vielen Regionen droht Unterversorgung." So die dpa-Fassung.

Tatsächlich stehen die für die Gesundheitsversorgung verantwortlichen Institutionen - neben den Ärzten und Krankenkassen auch Länder und Kommunen - vor schwierigen Herausforderungen. Es gibt, derzeit noch punktuell, Unterversorgung, vor allem bei den Hausärzten in den neuen Ländern. Die Löcher werden in Zukunft größer. Ursache sind dramatisch schrumpfende und alternde Regionen. Das ist ein Problem der Regionalpolitik.

Ein Konflikt entsteht auch zwischen steigender Morbidität und sinkender Wochenarbeitszeit bei Ärztinnen und Ärzten. Das ist eine große Herausforderung für das Management in ambulanter und stationärer Versorgung. Erstens: Die Arbeitsbedingungen müssen familienkompatibel gemacht werden, übrigens nicht nur für Frauen. Zweitens: Im Umgang mit ärztlicher Arbeitskraft ist ein Paradigmenwechsel nötig. Es geht nicht mehr um Arbeitssicherung für Ärzte wie in der Vergangenheit, in der AiPs, weil sie so billig waren, für Blutabnahmen missbraucht wurden, sondern es geht um Arbeitsersparnis. Es geht um eine schlankere Bürokratie und weniger politische Interventionen.

Diese Probleme sollen ebenso wie Fehlentwicklungen benannt werden. Eine einseitige Überspitzung ist jedoch kontraproduktiv. Denn der Nachwuchs braucht Ermutigung, nicht Abschreckung!

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