Ärzte Zeitung, 01.10.2010
Jede fünfte Klinik im Norden ist im Minus
Die Krankenhausgesellschaft fürchtet, dass sich die
Situation durch die Gesundheitsreform weiter verschärfen wird.
Viele Kliniken haben außerdem Probleme, Ärzte und immer
häufiger auch Pflegekräfte zu finden.

Ein Grund für den anhaltenden Pessimismus im Norden ist die Gesundheitsreform.
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LÜBECK (di). 170 Ärzte fehlen in den Kliniken
Schleswig-Holsteins - Tendenz steigend. Auch die wirtschaftliche
Situation der Häuser ist problematisch.
Jede fünfte Klinik im Norden hat im vergangenen Jahr einen
Verlust gemacht. Für das laufende Jahr erwartet ein ähnlich
hoher Anteil rote Zahlen. Darauf verwies Bernd Krämer,
Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft
Schleswig-Holstein (KGSH), bei den Schleswig-Holsteinischen
Gesundheitstagen in Lübeck. Ein Grund für den anhaltenden
Pessimismus ist die Gesundheitsreform. Drei Punkte kritisieren die
Kliniken: Der geplante Verzicht auf die Angleichung an die bundesweiten
Preise, die fortgesetzte gesetzliche Preisdeckelung auf 0,58 Prozent
und die direkte Vergütungskürzung in Höhe von 30
Prozent, wenn Kliniken mehr Leistungen mit den Krankenkassen
vereinbaren, weil mehr oder schwerere Fälle vom jeweiligen
Krankenhaus zu behandeln sind.
Hinzu kommen die Personalsorgen der Kliniken. Immer mehr Arztstellen
bleiben unbesetzt und auch in der Pflege droht ein Mangel an
Fachkräften. "Die ohnehin hohe Arbeitsbelastung der Mitarbeiter in
den Kliniken wird massiv erhöht, wenn die Kliniken durch die von
der Berliner Koalition vorgesehenen Kürzungen ihre tariflichen
Personalkostensteigerungen nicht einmal ansatzweise refinanzieren
können", so Krämer. Was die Koalition den Krankenhäusern
abverlange, sei "hart und deprimierend".
Nach seinen Angaben sind in zwei Drittel aller Krankenhäuser
durchschnittlich zwei bis drei Arztstellen nicht besetzt. Landesweit
fehlen den Kliniken rund 170 Ärzte. Diese Zahl wird nach
Hochrechnungen der KGSH in den nächsten zehn Jahren deutlich
steigen. Drei von fünf Kliniken sehen es außerdem als
zunehmend schwieriger an, Stellen im Pflegebereich zu besetzen.
Um dem Personalmangel zu begegnen, forderte Krämer, die
Zulassungsmodalitäten zum Medizinstudium ebenso wie die
Übertragung von Tätigkeiten auf andere Berufsgruppen zu
überdenken. MVZ auf dem Land und in der Trägerschaft von
Krankenhäusern hält er für ein geeignetes Mittel, um
Versorgungsprobleme zu lösen.

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