Ärzte Zeitung online, 25.10.2010

Ärztemangel: Neues Gesetz soll‘s richten

BERLIN (sun/eb/dpa). Angesichts des drohenden Ärztemangels in ländlichen Regionen hat sich Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) mit seinen Länderkollegen auf eine Gesetzesinitiative geeinigt. Das "Versorgungsgesetz" will er möglichst noch im ersten Halbjahr 2011 auf den Weg bringen.

Ärztemangel: Neues Gesetz soll‘s richten

Die Landarztpraxis: schon heute hat sie Seltenheitswert. Philipp Rösler will das per Gesetz ändern.

© NBL Bildarchiv / imago

In einer gemeinsamen Kommission sollen die Eckpunkte dazu mit den Ländern abgestimmt werden. Das gab Rösler am Montag in Berlin nach einem Sondertreffen mit seinen Länderkollegen bekannt.

In dem neuen Gremium sollen Bundesländer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, Bundesärztekammer, Spitzenverband der Krankenkassen und Gemeinsamer Bundesausschuss einbezogen werden.

Rösler betonte, das Durchschnittsalter der heute niedergelassenen Ärzte liege bereits bei mehr als 55 Jahren. Daher müsse sich die Politik gerade jetzt um den Ärztenachwuchs kümmern. Ansonsten werde sich das Problem des Ärztemangels noch weiter verschärfen.

So müsse künftig etwa der Anreiz für junge Mediziner erhöht werden, sich auf dem Land niederzulassen. Dazu gehöre unter anderem die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie die Möglichkeit von Teamarbeit.

Die Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz, die niedersächsische Gesundheitsministerin Aygül Özkan (CDU), betonte: "Um die Verteilung von Ärzten gerade in Flächenländern besser steuern zu können, muss die Bedarfsplanung neu aufgestellt werden." Sie müsse künftig "flexibler und kleinräumiger" werden.

Nur so könne man künftig den "unterschiedlichen Bedingungen auf lokaler Ebene gerecht werden und die demografische Entwicklung besser berücksichtigen". Es solle nicht einfach nur mehr Ärzte geben, vielmehr sei es Ziel, Mediziner stärker dorthin zu bringen, wo sie nötig sind.

In die Diskussion um eine Reform der Bedarfsplanung schalteten sich unterdessen auch Krankenkassen ein. KKH-Allianz Vorstandschef Ingo Kailuweit forderte: "Die Ärzte müssen flexibler werden. Jeder einzelne Arzt muss im Laufe seines Berufslebens bereit sein, gegebenenfalls auch den inhaltlichen Schwerpunkt seiner Tätigkeit neu auszurichten."

Denn vor allem im Bereich der Fachärzte gäbe es ein Ungleichgewicht zwischen Unter- und Überversorgung. Denkbar wäre beispielsweise eine Pflicht zur Weiterbildung entsprechend des Versorgungsbedarfs in verschiedenen Facharztgruppen.

"Wenn in Deutschland Rheumatologen fehlen, könnten sich Internisten entsprechend umorientieren, um diese Versorgungslücke zu schließen", so der Kassenchef.

Bereits im Vorfeld des Gesprächs zwischen Rösler und seinen Länderkollegen, wurden Forderungen laut, bessere Möglichkeiten für die Niederlassung in ländlichen Regionen zu schaffen. "Wer eine Praxis auf dem Land gründen will, sollte bei seiner Investition unterstützt werden", forderte der hessische Gesundheitsminister Stefan Grüttner (CDU) in der "Rheinischen Post".

Auch die Zahl der Studienbewerber müsse in den Fokus genommen werden: "Nur wenn die Zahl der Mediziner erhöht wird, kann die Versorgung auf dem Land gesichert werden", so Grüttner.

Die nordrhein-westfälische Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) forderte gegenüber dem Blatt, die Rahmenbedingungen für Frauen im Arztberuf zu verbessern. "Auch Teilzeitoptionen müssen möglich sein." So könne etwa eine Praxis mit zwei Dreiviertelstellen besetzt werden. Außerdem sprach sie sich für eine bessere Honorierung von Hausbesuchen aus.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach setzte sich laut dem Bericht für höhere Honorare für Landärzte ein. "Hausärzte auf dem Land müssen mehr verdienen als Fachärzte in der Stadt", betonte Lauterbach gegenüber der Zeitung.

[28.10.2010, 14:41:41]
Dr. Reiner Blessing 
Nur eine real existierende Krankenversicherung erhält die Arztpraxis auf dem Lande !
Die Mini-Budget-Kranken- "Versicherung" mit Maximal- Leistung von 12-30 Euro pro Vierteljahr und Arzt ist ein speziell deutscher Witz. Ulla Schmidt hat ihn aus den absterbenden Volswirtschaft des Ostblocks kopiert und ideologisch hochgejubelt. Die Folge : Deutschland ist ein Auswanderungsland für Ärzte, 2000- 3000 Ärzte verlassen pro Jahr unser Wunderland des Medizin- Sozialismus. Diese Ursache muß aus Staats- Raison noch immer totgeschwiegen werden. Wann wird Renate Hartwigs DER VERKAUFTE PATIENT zum Sarrazin-Analogon ? zum Beitrag »
[27.10.2010, 08:04:13]
Dr. Thomas Assmann 
Noch eine Idee gegen den Ärztemangel
Ich bin dafür das Krankenheiten per Gesetz abgeschafft werden, das würden die Kosten im Gesundheitswesen nachhaltig senken!!! zum Beitrag »
[26.10.2010, 12:18:57]
Dr. Gerhard Engler 
Männerquote bei der Zulassung zum Medizinstudium
Inzwischen hat der Anteil der Frauen am Medizinstudium 70 % erreicht!
Da diese eine andere Lebensplanung haben und Männer nun mal keine Kinder austragen können, ist die Lebensarbeitsleistung natürlicherweise eingeschränkt. Frauen werden wohl eher keine Landarztpraxis allein übernehmen, nachts dringende Hausbesuche machen etc. Das Modell Mann macht Praxis zur "Vollzeitberufung", Frau hält ihm den Rücken frei im Hinblick auf Haushalt, Kindererziehung, Büro, Personalführung, Pflege der Praxis usw. hat Jahrzehnte die Versorgung der Bevölkerung sicher gestellt - und das zu niedrigen Kosten! - Daher sind verheiratete Männer gefragt, die ein Allroundtalent haben. Diese Praktiker haben aber im Studium weniger Chancen gegen fleißige Studentinnen, die gut auswendig lernen können - ergo sollt wenigstens eine Männerquote eingeführt werden beim numerus clausus!!
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