Ärzte Zeitung online, 02.11.2010

Systemausstieg: Hausärzteverband braucht 60 Prozent Ausstiegswillige

Der Bayerische Hausärzteverband bereitet seine angekündigte Ausstiegs-Strategie minutiös und generalstabsmäßig vor - er setzt auf Eskalation.

Hausärzteverband hofft auf 60 Prozent Ausstiegswillige

Ende Januar plant der Hausärzteverband eine Veranstaltung, bei der der Ausstieg ad hoc entschieden werden soll.

© Figge / imago

BAD ORB (ras). Für den Austritt der bayerischen Hausärzte aus dem KV-System, den der bayerische Hausärzteverband am 26. Januar 2011 in Nürnberg plant, ist eine Beteiligungsquote von mindestens 60 Prozent aller Hausärzte im Freistaat erforderlich.

Wie Dr. Dieter Geis, Vize-Vorstand im bayerischen Hausärzteverband, bei der practica in Bad Orb erläuterte, wären die Kassen dann gezwungen, Hausärzten spätestens drei Wochen nach dem Ausstieg neue Verträge anzubieten.

Ansonsten drohe die Gefahr, dass der "Notstand ausbricht und die Kliniken überquellen". Ausdrücklich erklärte Geis, dass sich die Hausärzte von den Kassen nicht mit einem Honorar, das dem GOÄ-Einfachsatz entspricht, abspeisen ließen.

Geis: "Da ist deutlich weniger als das Honorar aus dem Vertrag der AOK Bayern und damit nicht akzeptabel." Falls die Kassen nach dem Systemumstieg nicht bereit seien, mit dem Hausärzteverband neue Vertragsverhandlungen aufzunehmen, würden die bayerischen Hausärzte in Streik treten.

Zunächst würden die Praxen drei Tage lang geschlossen werden. Sollten die Kassen den Hausärzten danach keine neuen Verträge anbieten, seien zweiwöchige Praxisschließungen geplant. Käme es auch danach nicht zu einer Lösung, strebt der Hausärzteverband gar unbefristete Streikaktionen und Praxisschließungen an.

Geis stellte klar, dass es den Hausärzten bei den Ausstiegsszenarien nicht um mehr Geld gehe, sondern um den "Erhalt des Hausarztberufs". Noch sei es nicht zu spät, da der "73b zwar beatmet wird, aber noch längst nicht tot ist".

Um ihn am Leben halten zu können, gibt es für Geis keine Alternative zum geplanten Systemumstieg. Falls der Systemumstieg scheitern sollte, würden die Hausärzte wieder als "Knechte des KV-Systems" herhalten müssen.

Topics
Schlagworte
Berufspolitik (17137)
Krankenkassen (16332)
Organisationen
AOK (6955)
Personen
Dieter Geis (111)
[03.11.2010, 16:16:40]
Dr. Jürgen Schmidt 
Wer als Tiger springt, kann als Bettvorleger enden
Entscheidend sei, so ein Altbundeskanzler, was hinten raus kommt.

Genau besehen ist nicht die politische Kulisse zu betrachten, die ein Austritt der Hausärzte aus dem System vorspiegelt, sondern die harte Realität, wenn es danach um die Vertragsverhandlungen geht.

Wieviel Hausärzte können es sich denn leisten, zu Verträgen Nein zu sagen, die keinesfalls besser ausfallen ? Wollen die Hausärzte dann einen Monat oder länger streiken, und ohne Einkommen die Kosten weiter laufen lassen ?

Wer Macht organisieren und benutzen will, sollte die Grenzen kennen, die wahren Machthaber und die Interdependenzen des Systems. Daran hapert es seit langem bei den ärztlichen Strategen. zum Beitrag »
[03.11.2010, 13:21:11]
Dr. Birgit Bauer 
Hausärzte -"Knechte des KV-Systems ?
Kleine Frage - wieso nur Hausärzte ?
Die am Pat. tätigen sind in dem System eh nur die Dummen, völlig egal ob Haus- oder Facharzt. zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Neuroprothese lässt Gelähmten wieder zugreifen

Eine Neuroprothese ermöglicht einem Tetraplegiker, mit einer Gabel zu essen. Sein Hirn wird dabei per Kabel mit Muskeln in Arm, Hand und Schulter verbunden. mehr »

Mord und Totschlag in deutschen Kliniken?

Eine umstrittene Studie zu lebensbeendenden Maßnahmen in Kliniken und Pflegeheimen erhitzt die Gemüter. mehr »

KBV und Psychotherapeuten kritisieren Honorarbeschluss

BERLIN. Der erweiterte Bewertungsausschuss hat am Mittwochnachmittag gegen die Stimmen der KBV einen Beschluss zur Vergütung der neuen psychotherapeutischen Leistungen gefasst. mehr »