Ärzte Zeitung, 04.11.2010

Kind und Studium passen selten zusammen

Schlechte Karten für Mediziner-Nachwuchs: Es gibt kaum Beratungsmöglichkeiten für junge Eltern während des Studiums und nur selten Flexibilität in der Weiterbildung.

Von Rebecca Beerheide

Kind und Studium passen selten zusammen

Kind im Studium? Beratung gibt’s kaum.

© Bergmann / fotolia.com

NEU-ISENBURG/ULM. Im universitären Betrieb sind Medizinstudenten mit Kindern keine Normalität. Im Gegenteil: Für die Organisation von Kind und Studium wird viel Zeit benötigt, Ansprechpartner und Hilfsangebote gibt es kaum.

Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Uniklinik Ulm. Unter der Leitung von Dr. Hubert Liebhardt, Studienreferent im Studiendekanat der Medizinfakultät in Ulm, wurden 238 Medizinstudenten mit Kind - zu 81 Prozent waren dies Frauen - in Baden-Württemberg zu ihrer Studiensituation befragt.

Dabei war für 63 Prozent der Medizinstudenten mit Kind die Familiengründung eine bewusste Entscheidung -  gleichzeitig haben deutlich über die Hälfte der Befragten Probleme, die Studien- und Prüfungszeiten mit der Betreuung zu koordinieren. Nach einer Erhebung des Deutschen Studentenwerkes liegt die Quote von Studenten, die während des Studiums Eltern werden, bei sieben Prozent, im Fachbereich Medizin nur bei rund vier Prozent.

"Viele Studierende haben sich mit dem Mangel bei der Kinderbetreuung arrangiert", sagt Liebhardt im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung". Ein großes Problem sind aber die Beratungsmöglichkeiten für junge Eltern. "Junge Eltern können nicht um sieben Uhr morgens eine Prüfung schreiben, sie finden zu der Zeit oft keine Kinderbetreuung", sagt Liebhardt. Eine geordnete Zusammenarbeit zwischen Studentenwerk und Angebote der Kommunen gibt in fast keiner Uni-Stadt. "Mit den Ergebnissen der Studie wollen wir künftig die Beratung von Studenten verbessern", so Liebhardt.

Nicht nur bei studentischen Eltern mit Kindern will die Uni Ulm die Beratung deutlich verstärken. "Wir wollen die ganze Lebensphase der medizinischen Ausbildung im Blick haben", so Liebhardt. So soll künftig eine Geschäftsstelle zur Weiterbildung eingerichtet werden, die Organisationsmodelle für Eltern während der Weiterbildung ausarbeitet. Mit diesem Programm will die Uni Ulm Vorreiter bei Teilzeit sowie bei der Vereinbarkeit von Familie mit der Weiterbildung werden.

Das Forscherteam wird bis Ende des Jahres die anderen baden-württembergischen Medizinfakultäten über die Ergebnisse der Befragung an ihrer Uni informieren. "Auch wenn in einigen Städten die Kinderbetreuung gut ist, funktioniert ein Vollzeitstudium oft nicht. Das müssen die Fakultäten verbessern", erklärt Liebhardt.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Epidemiologische Kaffeesatzleserei?

Verursacht oder verhindert der Konsum von Kaffee Krankheiten? Die Klärung solcher Fragen zur Ernährung ist methodisch ein richtiges Problem. mehr »

Trotz Budgetierung gute Chancen auf Mehrumsatz

Seit vier Jahren steht das hausärztliche Gespräch als eigene Leistung im EBM (03230) . Immer wieder ist daran herumgeschraubt worden. mehr »

Erstmals bekommt ein Kind zwei Hände verpflanzt

Ein achtjähriger Junge mit einer tragischen Krankheitsgeschichte bekommt zwei neue Hände. Die Op ist ein voller Erfolg: Anderthalb Jahre später kann er schreiben, essen und sich selbstständig anziehen. mehr »