Ärzte Zeitung online, 28.12.2010

Sachsens Hausärzte fordern bessere Palliativausbildung

DRESDEN/OYBIN (tt). Der sächsische Hausärzteverband will dafür sorgen, dass mehr Patienten im Kreis ihrer Familie statt in Heimen oder Krankenhäusern sterben können. Das erklärte die Vorsitzende des Verbandes, Ingrid Dänschel, nachdem sich die Mitglieder im ostsächsischen Oybin zum Hausärztetag getroffen hatten.

Die Begleitung sterbenskranker Menschen sollte deshalb zum Bestandteil der Ausbildung zum Allgemeinmediziner werden, so Ingrid Dänschel. Ihre Befürchtung: Da es Hausärzten an Wissen zur Palliativmedizin mangelt, werden betroffene Patienten häufiger als nötig ins Krankenhaus überwiesen, obwohl keine Chance mehr auf Heilung besteht. Bis jetzt spiele die Palliativmedizin kaum eine Rolle bei der Ausbildung von Hausärzten.

Dänschel nannte Norwegen gegenüber der "Ärzte Zeitung" als Vorbild, da dort wesentlich weniger Menschen ihre letzten Tage in Kliniken verbringen statt zu Hause.

Besonderes Augenmerk richteten die rund 630 Teilnehmer der Tagung auch auf die Betreuung multimorbider Patienten. Es müsse darum gehen, künftig fokussierter zu behandeln, so Dänschel. Zu oft werde heute noch nach dem Prinzip therapiert, dass dort, wo irgendwie eine Behandlung möglich ist, auch behandelt werde. Das allerdings sei nicht immer zielführend, erklärte die Allgemeinmedizinerin ihre Forderung.

Unter Umständen sei der Behandlungsstress für den Patienten dann höher als die Schmerzlinderung, die durch die Therapie möglich ist. Die Vorsitzende des Hausärzteverbands will das allerdings nicht als Appell verstanden wissen, Behandlungskosten bei älteren Patienten zu sparen. "Es geht uns um mehr Patientenorientierung", sagte sie. Dass trotzdem Kosten gespart werden können, sei eher ein Nebeneffekt.

Der sächsische Hausärzteverband zeigte sich zufrieden mit der Teilnehmerzahl. Aufgefallen sei, dass mehr Ärzte in Weiterbildung an dem Kongress teilgenommen haben, ebenso sei der Zuspruch bei Medizinstudenten hoch gewesen - diese dürfen am Kongress kostenlos teilnehmen.

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