Ärzte Zeitung online, 19.11.2010

KV Nordrhein warnt: AMNOG untergräbt Integrierte Versorgung

DÜSSELDORF (iss). In scharfer Form hat die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein (KVNo) die künftige Beteiligung von Arzneimittelherstellern an Verträgen zur integrierten Versorgung kritisiert.

KV Nordrhein warnt: AMNOG untergräbt Integrierte Versorgung

KVNo-Hauptgeschäftsführer Bernhard Brautmeier: "Der Bock wird zum Gärtner gemacht."

© KV Nordrhein

"Die pharmazeutische Industrie kann im Rahmen der einzelvertraglichen Gestaltung direkten Einfluss auf die Versorgung der Bevölkerung nehmen", sagte KVNo-Vorstand Bernhard Brautmeier bei einer Veranstaltung der KVNo zum Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetz (AMNOG) in Düsseldorf.

Eine erst spät ins AMNOG gekommene Regelung sieht eine Änderung des Paragrafen 140b Sozialgesetzbuch V zur integrierten Versorgung vor. Sie ermöglicht es den Pharmaunternehmen, mit den Krankenkassen Integrationsverträge abzuschließen.

Die Verträge könnten die Arzneimittelversorgung bei ausgesuchten Indikationen regeln, sagte Brautmeier. Darauf müssten die Vereinbarungen aber nicht beschränkt bleiben.

Es sei auch denkbar, dass dort etwa zusätzlich die Auswahl der Leistungserbringer festgelegt werde. "Wir sehen hier mit Sorgen, dass die medizinische Versorgung in Deutschland an die Pharmaindustrie abgetreten wird."

Die Intergrationsverträge machten die Industrie als "Player" hoffähig, kritisierte der KVNo-Vorstand. "Lassen Sie es mich überspitzt formulieren: Die vertraglich gesicherte Versorgung von Patienten mit beispielsweise onkologischen Präparaten wird die ärztliche Leistung gleich mitfinanzieren."

Die begrüßenswerte Tatsache, dass mit dem AMNOG die Pharmaindustrie in die Pflicht genommen werden soll, werde mit der Regelung zur integrierten Versorgung konterkariert, weil die Industrie als Versorger in Erscheinung treten könne.

Ein Aspekt empört Brautmeier besonders: Den KVen als nicht am Profit orientierten Körperschaften bleibt die Beteiligung an Verträgen zur integrierten Versorgung nach wie vor verschlossen, während international agierende und Aktionärsinteressen verpflichtete Pharmaunternehmen direkten Einfluss auf das Versorgungsgeschehen erhalten.

Auf diese Weise würden ganze Versorgungszweige und -gebiete kommerziellen Interessen ausgeliefert, warnte er. "Dies könnte der Beginn des Ausverkaufs der GKV in Deutschland sein, bei der der Bock zum Gärtner gemacht wird."

Die Hauptgeschäftsführerin des Verbands der forschenden Arzneimittelhersteller Cornelia Yzer begrüßte auf der Veranstaltung die Gesetzesänderung. "Wir sind zufrieden, dass wir demnächst als vollwertige Partner in der integrierten Versorgung mitwirken können", sagte sie. Zu den zuvor geäußerten Befürchtungen Brautmeiers nahm Yzer nicht Stellung.

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