Ärzte Zeitung online, 01.12.2010

Ärzte sollen IQWiG unter die Arme greifen

KÖLN (cw). Haben Sie einen Hochschulabschluss in Medizin? Eine Facharztqualifikation und klinische Erfahrung auf Ihrem Fachgebiet? Dann können Sie sich an der frühen Nutzenbewertung neuer Arzneimittel beteiligen. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) sucht externe Medizin-Experten.

Ab kommendem Jahr müssen sich neue Arzneimittel einer frühen Nutzenbewertung unterziehen. Davon wird maßgeblich der zwischen Herstellern und Krankenkassen zu verhandelnde Erstattungspreis abhängen. Das IQWiG rechnet offenkundig damit, vom Gemeinsamen Bundesausschuss (GBA) einen nicht unerheblichen Teil des anstehenden Auftragsvolumens abzubekommen.

Da die Frist für eine Schnellbewertung jedoch eng gesteckt ist - innerhalb dreier Monate muss ein Beschluss auf der Website des GBA veröffentlicht werden -, will das IQWiG jetzt einen Expertenpool aufbauen, aus dem es sich zu Beginn eines Auftrags schnell indikationsspezifische Fragen beantworten lassen kann.

Angesprochen seien "Ärztinnen und Ärzte in Kliniken und Praxen, die Interesse haben an einer Mitarbeit als ‚medizinische Berater‘", heißt es auf der Website des IQWiG. "Experten aller Fachgebiete" könnten sich in der Datenbank selbst eintragen.

Auswahlkriterium für das Institut seien neben Facharztqualifikation und einschlägiger Berufserfahrung auch "in Fachzeitschriften veröffentlichte wissenschaftliche Artikel". Zudem würden Bewerber "um eine Offenlegung ihrer Interessenkonflikte gebeten".

Da man heute nicht wissen könne, zu welchen Indikationen ein Bewertungs-Auftrag eingehe, sei man daran interessiert, möglichst Experten für alle denkbaren Indikationen in der Datenbank zu listen, erklärte ein IQWiG-Sprecher. Bei Beauftragung eines Externen werde ein Vertrag geschlossen, in dem dessen Selbstauskunft als wahrheitsgemäß zu bestätigen sei. Zeugnisse werde man sich nicht vorlegen lassen, so der Sprecher weiter.

Die medizinische Beratung durch einen solchen externen Experten beinhalte zunächst, einen Fragebogen zu beantworten, mit dem sich das Institut "einen Überblick über den medizinischen Kontext verschaffen" will, "in dem das zu bewertende Arzneimittel eingesetzt werden soll". Dazu gehörten unter anderem auch nutzen-relevante Versorgungsaspekte, Therapiealternativen oder der aktuelle Stand der Leitlinien. Sofern im Projektverlauf weitere Fragen auftreten, will man den Berater "nach Bedarf konsultieren".

Geld gibt es auch: Pro Tag sei ein Honorar von etwa 1000 Euro vorgesehen, erklärte der IQWiG-Sprecher. Man kalkuliere mit durchschnittlich fünf Tagen Arbeit, um den Fragebogen zu Projektbeginn zu beantworten. Das sei jedoch "noch keine definitive Auskunft".

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