Ärzte Zeitung, 20.12.2010

Klinikum überträgt Ärzten 49 Prozent seiner MVZ-Anteile

Westküstenklinikum sucht über Ärztegenossenschaft engen Schulterschluss mit den Praxen vor Ort.

Klinikum überträgt Ärzten 49 Prozent seiner MVZ-Anteile

49 Prozent der Anteile an der MVZ-Muttergesellschaft des Westküstenklinikums gehören jetzt der Ärztegenossenschaft Nord.

© imaginando / fotolia.com

HEIDE (di). Die Ärztegenossenschaft Nord entscheidet künftig über Klinik-MVZ an der Nordsee mit. Das Westküstenklinikum (WKK) übertrug den Genossen 49 Prozent ihrer Anteile an der MVZ-Muttergesellschaft. Mit diesem Schritt reagierte das WKK auf Kritik an seiner MVZ-Strategie im Kreis Dithmarschen und Nordfriesland.

Das Klinikum hatte über seine Tochtergesellschaft WestDoc GmbH in den vergangenen Jahren vier MVZ an fünf Standorten in der Region gegründet. Trotz Kooperationen mit Arztpraxen waren die WestDoc-Aktivitäten von vielen niedergelassenen Ärzten misstrauisch verfolgt worden.

Mit der Übertragung von 49 Prozent der Anteile der MVZ-Muttergesellschaft soll dieser Kritik der Boden entzogen werden. Nach Informationen der "Ärzte Zeitung" erfolgte die Übertragung ohne finanzielle Gegenleistung. Der Gesellschaftsvertrag sieht vor, dass die Gründung weiterer MVZ oder die Ansiedlung weiterer Kassenarztsitze an den vorhandenen MVZ nicht mehr ohne die Zustimmung der Ärztegenossenschaft möglich sind. Zugleich wird das regionale Praxisnetz über die Genossenschaft gestärkt.

"Die Ärztegenossenschaft stellt sicher, dass die Interessenlage der niedergelassenen Ärzte berücksichtigt wird. Sie stellt darüber hinaus sicher, dass das Medizinische Qualitätsnetz Westküste als wichtigster Vertreter der niedergelassenen Ärzte im Kreis Dithmarschen eng in die Entscheidungsprozesse eingebunden wird", sagte Genossenschaftschef Dr. Klaus Bittmann.

WKK-Geschäftsführer Harald Stender sagte: "Zukünftig wird es nur noch gemeinsam mit den wichtigsten Organisationen der niedergelassenen Ärzte gelingen, die Versorgung im ländlichen Raum sicherzustellen." Das gemeinsame MVZ-Modell sei "bestens geeignet, den Wünschen der Ärzte entgegenzukommen." Stender hatte stets betont, MVZ und Genehmigungen nach Paragraf 116b nur im Einvernehmen und in Kooperation mit Niedergelassenen betreiben zu wollen.

Die WestDoc GmbH betreibt ein MVZ mit zwei Standorten in Heide, jeweils eines in Brunsbüttel und St. Peter-Ording sowie ab Januar in Marne. Bislang sind dort 16 angestellte und vier niedergelassene Ärzte tätig. Die Muttergesellschaft hat neben WKK und Genossenschaft keine weiteren Gesellschafter, die niedergelassenen Ärzte sind Gesellschafter an ihren jeweiligen Standorten. Die WestDoc GmbH ist als Dienstleister für administrative Aufgaben in den MVZ tätig.

Lesen Sie dazu auch:
Ein MVZ spielt auf der ganzen Klaviatur

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Bemerkenswerte Partnerschaft

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Ärzte können künftig Medizinalhanf verordnen

Nach jahrelanger Debatte regelt das Parlament heute den Umgang mit Cannabis als Medizin völlig neu. Krankenkassen müssen künftig die Kosten im Regelfall erstatten. mehr »

Kein Schmerzensgeld für die künstliche Ernährung des Vaters

Das Münchener Landgericht hat die Klage gegen einen Hausarzt, der einen Patienten vermeintlich unnötig lange künstlich ernähren ließ, abgewiesen. Gleichwohl attestierte es einen Behandlungsfehler. mehr »

Droht Briten eine zweite Creutzfeldt-Jakob-Welle?

In Großbritannien ist ein Mann an einer ungewöhnlichen Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung gestorben. Dies nährt Befürchtungen, wonach mehr als 20 Jahre nach der BSE-Krise eine zweite Erkrankungswelle ansteht. mehr »