Ärzte Zeitung online, 22.12.2010

Hoppenthaller erwartet mindestens 4000 ausstiegswillige Hausärzte in Nürnberg

MÜNCHEN (sto). Politik und Kassen haben die Hausärzte in Bayern bis zuletzt davor gewarnt, ihre Kassenzulassung zurückzugeben. Ungeachtet dessen zeigte sich der Vorsitzende des Bayerischen Hausärzteverbandes (BHÄV), Dr. Wolfgang Hoppenthaller, zuversichtlich, dass die Abstimmung über einen Systemausstieg am heutigen Mittwoch in Nürnberg "für uns positiv verläuft".

Hoppenthaller erwartet mindestens 4000 ausstiegswillige Hausärzte in Nürnberg

Systemausstieg: Kommt es heute zum großen Knall in Bayern?

© mm images/Figge /imago

Zu der Vollversammlung in der Arena Nürnberg, bei der über einen Systemumstieg entschieden werden soll, erwartet der BHÄV zwischen 5000 und 7000 Hausärzte aus ganz Bayern. Um das selbst gesetzte Ziel zu erreichen, müssten knapp 4000 Hausärzte für einen Systemausstieg stimmen.

Ein Votum der bayerischen Hausärzte für den Ausstieg aus dem Kassenarztsystem hätte nach Hoppenthallers Auffassung Signalwirkung für ganz Deutschland. "Sollte das nicht klappen, dann hätten die Hausärzte ihre letzte Chance vertan. Dann würde die ärztliche Versorgung auf dem Land in den nächsten Jahren zusammenbrechen. Wir bekommen keinen Nachwuchs mehr", erklärte Hoppenthaller.

"Der Ausstieg aus dem System wäre ein Rechtsbruch", sagte demgegenüber Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU). Damit würde eine "rote Linie" überschritten. Auch das Bundesgesundheitsministerium warnte. "Wer aus dem Kassensystem aussteigt, darf die nächsten sechs Jahre nicht mehr als Kassenarzt arbeiten und kann damit Behandlungen von gesetzlich Versicherten auch nicht mehr mit den Kassen abrechnen", sagte der Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium Stefan Kapferer.

Unterdessen widersprach die AOK Bayern am späten Dienstagabend Presseberichten, wonach die Krankenkasse mit dem BHÄV geheime Verhandlungen führt. "Es gibt derzeit nichts zu verhandeln und deshalb auch keine geheimen Verhandlungen", sagte AOK-Chef Dr. Helmut Platzer. Man könne nicht umhin, in dem Gerücht den leicht durchschaubaren Versuch zu sehen, die Geschlossenheit der Krankenkassen in Bayern ins Wanken zu bringen, so Platzer.

Kritik an der AOK Bayern äußerte hingegen der Deutsche Hausärzteverband. Mit ihrem Konfrontationskurs gefährde die Kasse die Versorgung der Patienten", erklärte der Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbands Ulrich Weigeldt. Die Bayerische Staatsregierung dürfe "diesem verantwortungslosen Treiben" nicht tatenlos zusehen.

Lesen Sie dazu die neueste Entwicklung:
Hausärzte-Chef Hoppenthaller ist zurückgetreten

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[22.12.2010, 19:57:20]
Maximilian Micka 
Herr Hauke
Wir alle dürfen Ihrem Leserbrief entnehmen, daß Sie kein Arzt sind und darüberhinaus überhaupt keine Ahnung haben wovon Sie da schreiben.
Anderenfalls hätten Sie sich Ihre neidschürenden Zeilen gespart.

Maximilian Micka
Hausarzt zum Beitrag »
[22.12.2010, 18:48:52]
Dr. Sebastian Queck 
Hoffnung
Nur wer täglich im Namen der Gesundheit schuftet, von den Kassen traktiert wird, und sich dann noch von halbprofessionellen Suedwestdeutschen Pseudojournalisten (Kommentator auf dieser Seite) völlig dudeninkomptatibel die Welt erklären lassen muß, weiß, wie wichtig der heutige Tag für die Hausärzteschaft ist.
Ich drücke den bayerischen Kollegen beide Daumen und wünsche Ihnen den Mut, den der Rest der Nation vermissen läßt. Legt vor, dann folgen Euch auch die Preussen.
Ohne uns läuft nichts, und davor haben alle Angst. Das ist unsere letzte Chance...
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[22.12.2010, 17:24:35]
Gerald Hauke 
warum bekommen manche einfach den Hals nicht voll
Jetzt nervt Hoppenthaller seit so vielen Jahren die Bürger immer wieder erneut damit seine Praxis dicht zu machen, den Hals nicht voll zu bekommen und verspricht jedesmal seinen Rücktritt.

es wird auch diesmal nichts, also treten Sie endlich zurück und machen Sie ihre Versprechungen war!!!! Für Ihren Arztsitz meldet sich sicherlich ein dankbarerer Nachfolger

2 Jahre Weltwirtschaftskrise und die einzigen, die mehr Geld erhalten haben und immer noch keine Dankbarkeit für eine monetäre Vollversorgung auf Bürgerkosten haben, sind die Ärzte.

Auch andere Akademiker ( Steuerberater, Juristen, Architekten, Ingenieure ) arbeiten hart, müssen Mitarbeiter und Firmenkosten bezahlen und erhalten nicht permanent gesichertes Geld in unverhältnismäßiger Höhe.

Nur die Berufsgruppe Ärzte ist deutschlandweit der Meinung, schelcht bezahlt zu sein.

Sollen die Ärzte in Bayern doch endlich mal Charakter zeigen und in Zukunft wie alle anderen Unternehmer auch eine ordentliche Rechnungstellung aufbringen und auf die Zahlung ihrer Kunden warten.

Wetten, dass die Ärzte auch diesmal wieder konsequenzlos einknicken werden zum Beitrag »
[22.12.2010, 11:20:33]
Dr. Birgit Bauer 
Wer ist hier eigentlich verantwortungslos ?
Seit Jahren verschließen unsere Politiker die Augen vor der Tatsache, dass die ärztliche Selbstverwaltung nicht mehr funktioniert.
Resultat: Honorierung der niedergelassenen Ärzte nach Kassenlage , Unberechenbarkeit der Praxisplanung weil finanzielle Grundlage von Quartal zu Quartal wechselt, Aufgabe der Therapiefreiheit, Rationierung der med. Möglichkeiten auf den Schultern der Ärzte , Belügen der Kassenmitglieder über die Behandlungsmöglichkeiten gemäß der wissenschaftlichen Erkenntnisse. Schutzschild für die marode Krankenkassenstruktur in unserer Republik.
Wie lange hält die absolute Einfallslosigkeit in den etablierten Strukturen noch an ?
Was wir brauchen ist endlich eine klare Honorierungsgrundlage und das kann für Freiberufler nur eine für alle gültige GOÄ sein.
Anderer Vorschlag : der öffentliche Dienst und die politischen Gremien sollte auch nach den Gegebenheiten der niedergelassenen Ärzte honoriert werden. Vierteljährlich andere Einkünfte gemäß prozentualem Anteil am Steuereinkommen. Endabrechnung 2 Jahre später. Hätte den Charm, dass der Haushalt schneller saniert werden könnte. Vielleicht wacht dann auch mal Herr Seehofer auf !
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