Ärzte Zeitung online, 22.12.2010

Hessens Hausärzte solidarisieren sich im Geiste mit den ausstiegswilligen Bayern

NEUENTAL (maw). Der Hausärzteverband Hessen solidarisiert sich ausdrücklich mit den bayerischen Hausärzten, die sich am heutigen Mittwoch in Nürnberg treffen, um den Systemausstieg zu beschließen. "Die hessischen Hausärzte sichern den bayerischen Hausärzten ihre volle Unterstützung zu", so der Verband in einer Mitteilung.

Die Hausärzte in Hessen unterstützten die bayerischen Kollegen in deren "Kampf um eine zukunftsfähige Versorgung". Sie stellten sich hinter die Ausstiegsveranstaltung "und kritisieren das Vorgehen der AOK und anderer Krankenkassen in Bayern". Die Veranstaltung würden sie mit großem Interesse verfolgen.

"Die Kündigung des Hausarztvertrages zeigt deutlich, dass die AOK Bayern kein Interesse an einer zukunftsfähigen Versorgungsstruktur auf hausärztlicher Ebene hat", so Dr. Dieter Conrad, Landesvorsitzender des Hausärzteverbandes Hessen.

Conrad schiebt den Schwarzen Peter im Spiel, das die Hausärzte desavouiere, eindeutig der Kassenseite zu: "Enttäuschend ist, dass die AOK Bayern nicht einmal auf das Angebot der Hausärzte eingeht. Wenn auf das Vertragsangebot nur eine Kündigung des laufenden Vertrages erfolgt, zeigt dies mehr als deutlich, welchen Stellenwert die Hausärzte in den Augen der AOK Bayern genießen. Das Verhalten der Kasse kann nur als Affront bewertet werden. Es geht um die Zukunft der hausärztlichen Versorgung und die flächendeckende Versorgung der Patienten in Bayern."

Die hessischen Hausärzte könnten indes die "Defizite in der hausärztlichen Versorgung, für die Krankenkassen und Politik verantwortlich sind", in Hessen nicht auffangen. Die Praxen seien in den Wintermonaten besonders voll, so dass die Patienten in den Grenzregionen bei hessischen Hausärzten bereits jetzt schon überfüllte Wartezimmer anträfen.

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