Ärzte Zeitung online, 23.12.2010

Systemausstieg zunächst gescheitert - Entscheidung soll am 18. Februar fallen

NÜRNBERG (sto). Die Hausärzte in Bayern bleiben vorerst im GKV-System. Bei der Vollversammlung in Nürnberg, die der Bayerische Haus-ärzteverband (BHÄV) organisiert hatte, um über einen Systemausstieg zu entscheiden, warfen bis Mittwochabend 2751 der mehr als 6000 anwesenden Hausärzte ihre Verzichtserklärung in die Urnen. Das selbstgesteckte Ziel, mit mindestens 3815 ausstiegswilligen Hausärzten die Kassen unter Druck zu setzen, wurde damit verfehlt.

Systemausstieg zunächst gescheitert - Entscheidung soll am 18. Februar fallen

Rund 6000 Hausärzte waren zur Abstimmung nach Nürnberg gekommen.

© Wolfgang Geyer

Mit dramatischen Appellen an die Solidarität der Kollegen und den Zusammenhalt des Hausärzteverbandes versuchten zahlreiche Redner bis zum Schluss, die Stimmung doch zu wenden. Am Ende entschied der BHÄV-Vorstand, das Ausstiegsszenario in ein Korbmodell zu ändern: Bis 18. Februar sollen die Hausärzte in Bayern jetzt noch Gelegenheit haben, ihren Zulassungsverzicht zu erklären.

BHÄV-Vorsitzender Dr. Wolfgang Hoppenthaller wertete den Ausgang der Vollversammlung in einer ersten Stellungnahme als einen schweren Schlag für den Verband und für die hausärztliche Versorgung in Bayern. Die massiven Drohszenarien, die die Kassen und die Politik in den vergangenen Tagen aufgebaut hatten, hätten ihre Wirkung offenbar nicht verfehlt. Über eventuelle persönliche Konsequenzen werde er in den nächsten Tagen in aller Ruhe nachdenken erklärte Hoppenthaller auf Nachfrage.

Systemausstieg zunächst gescheitert - Entscheidung soll am 18. Februar fallen

Banger Blick auf die Abstimmungsergebnisse: Am Ende der Abstimmung hatte Dr. Wolfgang Hoppenthaller sein Ziel, den Systemausstieg in Bayern zu schaffen, verfehlt.

Die Arbeitsgemeinschaft der Krankenkassenverbände in Bayern bezeichnete den Ausgang der Vollver-sammlung als einen Sieg der Vernunft. Damit sei nun eine gemeinsa-me Fortentwicklung der hausarztzentrierten Versorgung in Bayern möglich. "Mit ihrer Entscheidung haben die Hausärzte das gesundheitspolitische Vabanquespiel des bayerischen Hausärzteverbandes beendet", heißt es in einer am Abend verbreiteten Presseerklärung der bayerischen Kassen.

Nach Ansicht des Bayerischen Facharztverbandes (BFAV) müsse das "vorläufige Scheitern" als Chancefür eine Systemkorrektur genutzt werden. "Es war ein mutiger Versuch der Hausärzte, dem man unbedingten Respekt zollen muss", kommentiert die Vorsitzende des BFAV, Dr. Ilka Enger.

Die Diskussionen der vergangenen Wochen um einen Systemumstieg der Hausärzte hätten deutlich "die Unzufriedenheit aller Ärzte in einem maroden, zu Tode regulierten Zwangssystem" gezeigt. Die Verantwortlichenkönnten jetzt nicht zur Tagesordnung übergehen, erklärte Enger.

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