Ärzte Zeitung online, 23.12.2010

Hausärzte-Chef Hoppenthaller ist zurückgetreten

MÜNCHEN (sto). Dr. Wolfgang Hoppenthaller, Vorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbandes und stellvertretender Bundesvorsitzender des Deutschen Hausärzteverbandes, ist am Donnerstag von allen seinen politischen Ämtern zurückgetreten. Hoppenthaller hat damit die Konsequenzen aus der Abstimmung über einen Systemausstieg der Hausärzte in Bayern am Mittwoch in Nürnberg gezogen.

Hausärzte-Chef Hoppenthaller ist zurück getreten

Hat aufgegeben: BHÄV-Chef Dr. Wolfgang Hoppenthaller, trat am Donnerstag nach dem gescheiterten Systemausstieg zurück.

© Wolfgang Geyer

Er habe sich zu diesem Schritt entschlossen, um künftigen Verhandlungen mit der Bayerischen Staatsregierung und mit den Krankenkassen nicht im Wege zu stehen, begründete Hoppenthaller seine Entscheidung.

Am Vormittag hatte Bayerns Gesundheitsminister Markus Söder Hoppenthallers Rücktritt gefordert. Der Bayerische Hausärzteverband brauche einen „inhaltlichen und personellen Neuanfang“ und „unbelastete Gesprächspartner“, sagte Söder.

In seiner Rücktrittserklärung teilte Hoppenthaller mit, der Vorstand des Bayerischen Hausärzteverbandes habe entschieden, den Systemausstieg über ein Korbmodell nicht weiter zu verfolgen. Der Korb werde geschlossen. Die Verzichtserklärungen, die von 2801 Hausärzten vorliegen, würden „umgehend“ vernichtet.

Hoppenthaller erklärte zu seinem Rücktritt, er sei weiterhin der Meinung, dass der Hausärzteschaft in Bayern nur noch die Systemdiskussion bleibe, nachdem der Gesetzgeber ihr das Tarifrecht entzogen habe. Dass sich trotz aller Drohungen nahezu jeder zweite Hausarzt in Bayern entschlossen habe aus dem Kollektivvertragssystem auszusteigen, „sollte die Kassen und die Politik bezüglich der Situation der hausärztlichen Versorgung in Bayern nachdenklich machen“, heißt es in dem Rücktrittsschreiben.

Homepage des Bayerischen Hausärzteverbands

Lesen Sie dazu auch:
Söder fordert Hoppenthallers Rücktritt
Hoppenthaller: "Es ist schon eine große persönliche Enttäuschung"
Systemausstieg zunächst gescheitert - Entscheidung soll am 18. Februar fallen

[24.12.2010, 13:32:55]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Schöne Bescherung?
@ Herrn Kollegen Jürgen Schmidt und @ alle Anderen, die meinen, jetzt mit Häme auf das Desaster der Bayrischen Hausärzte und ihres zurückgetretenen Vorsitzenden, Herrn Kollegen Dr. med. W. Hoppenthaller, reagieren zu müssen. Es war sicherlich ein Mut der Verzweiflung, den Systemausstieg zu propagieren.

1. Im SGB V (Sozialgesetzbuch), § 73 b, steht seit 2009 (!), dass die Hausarztzentrierte Versorgung (HzV) zum A b s c h l u s s ansteht. Der Hausärzteverband (HÄV) hat dazu seit 2 Jahren (!) das gesetzliche Verhandlungsmandat, diese Verträge nach Bayern und Baden-Württemberg auch b u n d e s w e i t abzuschließen und n i c h t die KVen oder die KBV.

2. Bundesgesundheitsminister (BGM), Dr. med. Philipp Rösler hat gemeinsam mit der BEK/HEK Chefin, Birgit Fischer den Schulterschluss
g e g e n ein bestehendes Gesetz des Bundes gesucht und gegen den gültigen "Hausarztparagrafen" 73 b intrigiert und opponiert.

3. Dies hat die bayrische AOK und Ersatzkassen ermuntert, nach einseitiger Verhandlungsverzögerung und -verhinderung die HzV-Verträge mit dem HÄV ohne Rechtsgrundlage fristlos zu kündigen, weil sie klammheimliche Rückendeckung vom BGM und zuletzt auch vom bayrischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer und dem Landesgesundheitsminister Markus Söder bekamen.

4. Juristisch ist es unentschuldbar, dass Gesetzliche Krankenkassen als Körperschaften Öffentlichen Rechts bestehende bundesgesetzliche Verpflichtungen des SGB ignoriert und konterkariert haben. Und dies vor dem Hintergrund, das alle KVen bundesweit gegenüber uns Vertragsärzten minutiös über die Einhaltung der rechtlichen Rahmenbedingungen wachen.

5. In einem Klima, in dem die bundesgesetzlich geregelte hausärztliche Versorgung, die Sicherstellung der sozialmedizinischen Basisversorgung der Bevölkerung zum A b s c h u s s freigegeben sind, lief ein Film ab, der nur noch mit Rainer Werner Faßbinders "Jagdszenen aus Niederbayern" vergleichbar ist.

6. Menschen, die keinen blassen Schimmer von medizinischer Versorgung, von praktizierter Humanmedizin, von Ärztemangel in ländlichen Regionen, von Pauschalierung, Budgetierung, Regressandrohung, von Untersuchung, Diagnose, differenzierter Therapie, von Heilung, Linderung, Tröstung und Palliation haben, fühlten sich ermuntert, auf Hausärztinnen und Hausärzte einzudreschen, die doch oft als ärztlicher Notnagel die medizinisch, sozialpsychologisch und kulturell auseinander driftenden gesellschaftlichen Widersprüche zusammenhalten.

7. Es ist nur noch peinlich, dass besonders diejenigen sich mit Hausarztkritik kaum noch zurückhalten können, die das Regelleistungsvolumen, das wir Hausärzte pro Patient und Quartal als
U ms a t z bekommen, nicht mal als ihren Netto-Stundenlohn akzeptieren würden.

Schöne Bescherung!
Mit kollegialen Grüßen, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM in Dortmund
 zum Beitrag »
[23.12.2010, 19:22:04]
Dr. Jürgen Schmidt 
Spanne den Bogen, soweit Du kannst...
Irgendjemand hätte Hoppenthaller das alte Sprichwort erläutern sollen: "Spanne den Bogen, soweit Du kannst ... und Du wirst wünschen, Du hättest rechtzeitig eingehalten".
Hier tritt nicht einfach jemand als tragische Figur zurück, sondern ein Berufspolitiker, der sich trotz reichlicher Erfahrung grob fahrlässig überhoben hat und drauf und dran war, einen ganzen Berufsstand ins Abseits zu stellen. Nun werden die 2750 bayerischen Hausärzte, die den Umstieg von der Kutsche in die Kalesche geprobt haben, zurück auf den Knüppeldamm kehren müssen. Mit der Wahl eines neuen Vorstandes der Hausärzte ist es nicht getan. Eine neue, glaubwürdige und verlässliche, langfristige Strategie und ein mehrheitliches vertrauensbildendes Bekenntnis ist gefordert, das auch die Vertragspartner überzeugt. Auf den ersten Blick gibt es nur eine Institution, die dies leisten und das Schlamassel reparieren könnte:
Die KV ! zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Welche Stoffe in Energy-Drinks wirken auf Herz und Kreislauf?

Energy-Drinks haben eine durchschlagende Wirkung: Es kommt zu signifikanten Verlängerungen des QTc-Intervalls, und der systolische Blutdruck ist erhöht. Möglicherweise ist dafür nicht nur das Koffein verantwortlich. mehr »

Das war der Ärztetag 2017 in Bildern

Das war er nun, der 120 Ärztetag in Freiburg. Unsere Bildergalerie zeigt die schönsten, spannendsten Momente des viertägigen Kongresses. mehr »

Grünes Licht für GOÄ-Reformprozess

Der Deutsche Ärztetag hat den Verhandlungsführern für die GOÄ-Reform am Donnerstagabend grünes Licht für den weiteren Novellierungsprozess gegeben. mehr »