Ärzte Zeitung online, 28.12.2010

SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach: Unionspläne sind "Betten-Kosmetik"

BERLIN (dpa). Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach hat die Vorschläge der Union für die flächendeckende Einführung von Zwei-Bett-Zimmern in Kliniken als "reine Betten-Kosmetik" kritisiert. Vielmehr müssten sich die Krankenhäuser stärker spezialisieren und profilieren, sagte Lauterbach der "Financial Times Deutschland" (Dienstag). Dies gelte auch, wenn sich Kliniken über diesen Wettbewerb als überflüssig herausstellen und geschlossen würden.

SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach: Unionspläne sind "Betten-Kosmetik"

Eine stärkere Profilierung und Spezialisierung von Kliniken statt "Betten-Kosmetik" fordert SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach.

© dpa

"Es ist falsch, jedes Krankenhaus erhalten zu wollen", sagte Lauterbach der Zeitung. Die mangelnde Spezialisierung der Kliniken sei vielmehr auch ein Grund für die vergleichsweise schlechte Behandlungsqualität insbesondere bei schweren Krebserkrankungen in vielen deutschen Hospitälern.

Der CDU-Gesundheitsexperte Jens Spahn hatte die Abschaffung der gängigen Vier-Bett-Zimmer für Kassenpatienten gefordert. "Das wird den Bedürfnissen der Menschen einfach nicht mehr gerecht, das ist etwa für einen Krebskranken eine ziemliche Zumutung", sagte Spahn in einem Interview.

Der Bundesvorsitzende des Ärzteverbandes Hartmannbund, Kuno Winn, bezeichnete Spahns Vorschlag als gut gemeint und im Grundsatz begrüßenswert. "Patienten und Ärzte freuen sich über jedes Geschenk, aber wer Geschenke wie Zwei-Bett-Zimmer für alle Kassenpatienten verspricht, soll sie auch bezahlen. In diesem Sinne freuen wir uns auf konkrete Konzepte", sagte Winn der "Bild"-Zeitung (Dienstag).

Auch der Chef des Marburger Bundes, Rudolf Henke, sieht das Hauptproblem der Kliniken nicht in der Bettenzahl pro Zimmer. Dies sei einer von vielen Aspekten, sagte er der "Bild"-Zeitung und Bild.de. "Kliniken müssen sich, um im Wettbewerb bestehen zu können, über Qualität definieren und das geht nur über Transparenz", sagte der CDU-Abgeordnete.

Der FDP-Gesundheitsexperte Erwin Lotter, Bundesvorsitzender der Vereinigung Liberaler Ärzte, unterstützte hingegen die Forderung Spahns. "Vier-Bett-Zimmer sind das Relikt einer Klassengesellschaft, die schon längst überwunden sein sollte." Gerade für Wöchnerinnen, Krebspatienten, Frisch-Operierte und Schwerstkranke seien die häufigen Besuche und der stete Trubel in einem Vier-Bett-Zimmer eine der Genesung schädliche Zumutung.

Lesen Sie dazu auch:
CDU will künftig gesetzlich Versicherte wie Privatpatienten behandeln lassen

[06.01.2011, 15:07:30]
Dr. Timo Spanholtz 
Damagogie
Viele politische Äußerungen sind so geschickt platziert, dass ihre Wirkung trotz absoluter Bedeutungslosigkeit sicher ist. Die Vorschläge von Herrn Spahn gehören zu dieser Kategorie. Schlechte Gesundheitspolitik auf den Schultern der Bevölkerung zu machen ist eine Sache. Der Abschied von einem in der gesamten Welt herausragenden Solidarsystem eine zweite. Dann aber zu dieser Politik diametrale Aussagen im Feiertagsloch zu platzieren und damit Stimmung für die aussichtslosen Pläne der Regierung zu machen zeugt von unvergleichlicher Hilflosigkeit. Offensichtlich hat sogar Herr Spahn erkannt, dass der Weg der schwarz-gelben Regierung zur Zweiklassenmedizin führt, den Arzt entmündigt und den Patienten schlechter versorgt zurücklässt. Sonst wären solch sinnlose und nicht zu finanzierende Vorschläge nicht zu erklären. Dies muss der Anfang vom Ende sein.

Dr. med. Timo A. Spanholtz, Oberarzt und
Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie

Mitglied der Kammerversammlung der
Ärztekammer Nordrhein (ÄKNO)
Mitglied, Kassenwart und Pressesprecher
der Fraktion Voxmed.de

Mitglied des Finanzausschusses,
der Kommission Krankenhausplanung NRW,
des Ausschusses Zukunft/Neue Rolle der Ärztekammer

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