Ärzte Zeitung online, 28.12.2010

Grauduszus ruft 2011 zum Jahr der Ärzteschaft aus

KÖLN (iss). Das kommende Jahr muss zum Jahr der Ärzteschaft werden, fordert der Präsident der Freien Ärzteschaft Martin Grauduszus.

Grauduszus ruft 2011 zum Jahr der Ärzteschaft aus

Aus Sicht von Martin Grauduszus muss die Ärzteschaft die Marschrichtung in der Gesundheitspolitik vorgeben.

© Sven Bratulic

Die Ärzte müssten zu Geschlossenheit, Einigkeit und politischer Schlagkraft finden und die Marschrichtung für die gesundheitspolitische Entwicklung vorgeben. Gelingt das nicht, würde das deutsche Gesundheitswesen zu Tode reguliert, werden die Ärzte abgewickelt und die Patienten entmündigt, fürchtet er.

Die 2011 anstehenden Wahlen an den Spitzen von Bundesärztekammer und Kassenärztlicher Bundesvereinigung bieten nach Einschätzung von Grauduszus eine gute Gelegenheit für einen Neubeginn. "Unsere eigenen Selbstverwaltungsorgane müssen wir einem radikalen Umbau unterwerfen - weg vom willfährigen Abnick-Verein politisch-ideologischer Vorgaben hin zu einer wirklich engagierten und unabhängigen Interessenvertretung der Kolleginnen und Kollegen."

Die Ärzte in den Gremien müssten sich für den Erhalt der flächendeckenden wohnortnahen Versorgung ebenso einsetzen wie für eine angemessene Honorierung der Haus- und Fachärzte und ein transparentes und für alle nachvollziehbares Abrechnungssystem, sagt der Präsident der Freien Ärzteschaft.

[29.12.2010, 19:17:16]
Dr. Jürgen Schmidt 
Bitte keine frommen Sprüche mehr !
Forderungen, dass die Ärzte die "Marschrichtung in der Gesundheitspolitik vorgeben" und dazu die "Selbstverwaltungsorgane radikal umbauen" sollen, gehen nach Lage der Dinge weit an der Realität vorbei und scheinen der Binnenelegitimation geschuldet.
Die Selbstverwaltung, ihre Organe und Handeln sind einerseits durch das Sozialgesetzbuch und andererseits die Heilberufegesetze der Länder sehr weitgehend bestimmt. Um hier Änderungen zu erreichen, die den Ärzten mehr Gestaltungsspielraum verschaffen, müsste es in der Tat gelingen, die Marschrichtung in der Gesundheitspolitik vorzugeben.
Doch woher soll diese Initiative so plötzlich kommen, angesichts einer Ärzteschaft die sich - außer der Forderung nach mehr Geld - fast vollständig in der Defensive befindet?

Wie kam es dazu?

Als Mitte der 90er Jahre mit charismatischen Berufspolitikern wie Winfried Schorre die Hoffnung keimte, die "Freiheit des Berufes zurück zu gewinnen", stockte die Strategiedebatte bei der Notwendigkeit,
"zunächst den eigenen Laden in Ordnung zu bringen", d.h. u.a. medizinisch nicht begründbare Leistungsmengen zurück zu fahren, Versorgungsstrukturen zu verhindern, in denen Kollegen auf der gleichen Etage gegeneinander hochrüsten und nicht zuletzt bei der Aufgabe, die Qualität der ambulanten Versorgung zu verbessern.
Viele in unserer Selbstverwaltung haben sich damit verbraucht, einen Teil davon gegen Widerstände aus den Fachgruppen,gegen zunehmende Spaltungstendenzen in der Ärzteschaft und Eifersüchteleien in den Vorständen der Selbstverwaltung durch zu setzen.
So geschah es, das sich die besten Kenner gesundheitsökomischer Gegebenheiten, nämlich die Ärzte selbst, Rationalisierungsprogramme, wie die unsäglichen rigiden DMP's, oktroyieren lassen mussten, anstatt diese flexibel zu gestalten und in eigener Regie zu etablieren.
Statt Kooperation durch effektive (und nicht nur nominelle) Vernetzung der ambulanten Versorgung zu institutionalisieren, wurde die Spaltung in Fachärzte und Hausärzte - mit der Tendenz zum Primärarztsystem - betrieben und schließlich gesetzlich fixiert und als Ergebnis der gebotenen Verzahnung mit den Kliniken müssen wir die klinikeigenen MVZ's auf dem Vormarsch sehen, die den Fachärzten das Wasser abgraben.

Um das Gesetz des Handelns zurück zu gewinnen, bedarf es konsistenter Konzepte, die sich offensiv vertreten lassen.
Ob dies nach den Versäumnissen der Vergangenheit gelingt, steht in den Sternen.
Helfen werden weder Freie Verbände, noch Genossenschaften, noch Karrieristen die auf einen gut versorgten Vorstandposten scharf sind. Die Ärzteschaft braucht eine Neubesinnung auf ihre Kräfte und Ziele und wieder Führungsfiguren, wie früher Roos, Muschalik, Bourmer! Auch daran fehlt es !
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