Ärzte Zeitung online, 06.01.2011

Jüdische Ärzte wollen sich mehr einmischen

KÖLN (iss). Jüdische Ärzte wollen ihre Standpunkte zu ethischen Fragestellungen in die innerärztliche Debatte in Deutschland einbringen. Der neu gegründete Bundesverband Jüdischer Mediziner soll ihnen dabei helfen, sich Gehör zu verschaffen.

Jüdische Ärzte wollen wieder mehr Einfluss in der Medizin gewinnen

Jüdisches Leben in Deutschland, hier die Eröffnung einer Synagoge. Mit dem neuen Bundesverband Jüdischer Ärzte ist es um eine Institution reicher.

© dpa

"Es gibt keine jüdische Medizin, aber es gibt spezifische Aspekte der jüdischen Ethik und Religion, die wir in Diskussionen einbringen können", sagt Cora Rimoczi, Vorsitzende des Bundesverbands und des Landesverbands Jüdischer Mediziner in Nordrhein-Westfalen.

Der NRW-Verband ist die Keimzelle des bundesweiten Zusammenschlusses. Nach Angaben von Rimoczi hat der Bundesverband zurzeit 185 Mitglieder. "Wir bekommen ständig Anfragen."

Die Verbandsmitglieder wollen an die große Rolle anknüpfen, die jüdische Ärzte in Deutschland bis zum Nationalsozialismus gespielt haben. "Diese Erfolgsgeschichte wollen wir wieder aufleben lassen", sagt sie.

Künftig wird sich der Verband aktiv zu Fragestellungen wie der Präimplantationsdiagnostik (PID) oder der Organentnahme zu Wort melden. "Es ist wichtig, dass in die Diskussionen ethische Aspekte einbezogen werden", sagt Rimoczi.

Aus jüdischer Sicht sei etwa die PID positiv zu sehen. Es sei besser, einen Embryo vor dem Einsetzen in die Gebärmutter auf einen Gendefekt zu testen, als einer Frau einen späteren Schwangerschaftsabbruch oder eine Totgeburt zuzumuten.

"Bei uns ist es einstimmige Meinung, dass das Verfahren humaner ist." Die Rabbinerkonferenz habe die PID aus ethischer Sicht als positiv bewertet.

Auch zu Themen wie dem ärztlich begleiteten Suizid werde der Bundesverband Jüdischer Mediziner künftig Stellungnahmen veröffentlichen, kündigt die Vorsitzende an.

Ein weiteres wichtiges Ziel des Verbands sei auch die Unterstützung von Kollegen, die aus den ehemaligen GUS-Staaten nach Deutschland gekommen sind. "Wir können ihnen mit unseren Hilfestellung bei der Niederlassung geben", sagt die Hals-Nasen-Ohren-Ärztin aus dem rheinischen Wülfrath.

Kontakt: rimoczi1@gmx.net

[08.01.2011, 18:57:28]
Dr. Jürgen Schmidt 
Noch' Verband
Die professionelle Identität der Ärzte darf nicht konfessionsgebunden sein. Was würden wir wohl dazu sagen, wenn sich Verbände der diversen evangelischen Konfessionen, der Katholiken, Orthodoxen, Kopten, Anglikaner, Babtisten etc. mit der Absicht bilden, sich in ärztlich ethische Diskurse "einzubringen".

Zwar berufen sich die Halbgötter in Weiß gern auf die ollen Olympier und auch mal auf die christliche oder entsprechende Nächstenliebe anderer Glaubensrichtungen; die ärztliche Ethik, wie sie in Deutschland und von der WHO verstanden wird, ist aber nicht zuletzt durch die Läuterung einer Philosophie der Aufklärung geprägt.

Selbstverständlich dürfen sich Religionsgemeinschaften durch Ihre Vertreter, sei es Kardinal oder Rabbi, in ärztlich ethische Diskurse einmischen, aber nicht erwarten, dass man ihre Sichtweisen übernimmt oder ihr Gehör institutionalisiert.

Ein anderes Thema und mit der ärztlichen Ethik auf andere Weise verbunden, ist das Gedenken an vertriebene und ermordete Kollegen durch ein verbrecherisches Regime und der Verlust an ethischen Maßstäben innerhalb der Ärzteschaft zur Zeit des Nationalsozialismus.

Den Verlust jüdischer Wissenschaftler und die Folgen einer Gleichschaltung der Ärzteschaft spüren wir bis heute.
Sogar die Vorstellung einer „ganzheitlichen Medizin“ hat ihre Wurzeln im Nationalsozialismus als Gegenelement einer wissenschaftlichen und analytischen Medizin, unter deren Vertreter vorzugsweise auch jüdische Kollegen waren. Dies nur am Rande und keinesfalls als Diskriminierung jener gedacht, die heute unter dem Terminus „ganzheitlich“ etwas anderes verstehen.
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[07.01.2011, 10:59:59]
Martin Mahr 
Polemik
Sehr geehrter Herr Dr. Frank-Uwe Fuchs,

wenn es keinen interessiert, wieso behalten Sie dann Ihre Polemik nicht für sich?

Übrigens, ich kenne einen Gott, der zwar nicht mehr so oft zu sehen ist, aber immer noch ab und zu sein Gesicht zeigt - der Gott in Weiß...  zum Beitrag »
[07.01.2011, 07:04:14]
Dr. Frank-Uwe Fuchs 
Wen interessiert das?
Sollte man in wissenschaftlichen Berufen im Jahre 2010 nicht bitte mal öffentlich äußern das Religion Politik ist? Nochmal für alle die die letzen 2011 Jahre nicht da waren es gibt keinen reellen GOTT. zum Beitrag »

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