Ärzte Zeitung, 08.03.2011

Licht und Schatten am 100. Weltfrauentag

Frauenförderung wollen viele Firmen - nur ist die Umsetzung nicht einfach. Der Klinikkonzern Helios organisiert seit zwei Jahren ein erfolgreiches Mentorinnen-Netzwerk.

Von Rebecca Beerheide

Ein Rat von außen kann den Weg zur beruflichen Karriere ebnen

Von Erfahrung profitieren: Bei Mentorinnen-Programmen hilft eine erfahrenere Kollegin einer Jüngeren.

© chagin / fotolia.com

NEU-ISENBURG. Die Nachrichten lesen sich durchaus positiv: Über 60 Prozent der Medizinstudenten sind Frauen - doch ihr Anteil sinkt am Ende der Facharztausbildung deutlich, bei den Oberarzt- und Chefarztstellen sucht man Frauen an einigen Häusern vergeblich.

Der Klinikkonzern Helios unterstützt die Förderung von Ärztinnen seit 2009 mit einem Mentorinnen-Netzwerk: Eine erfahrenere Kollegin berät und unterstützt bei beruflichen Fragen eine jüngere Ärztin.

Der Kontakt startet auf der Intranet-Seite von Helios, auf der sich jüngere Kolleginnen über erfahrenere Teilnehmerinnen informieren können.

Anna-Maria Zeschmann-Hecht, die Talentmanagerin bei Helios, vermittelt den Kontakt und entwickelt mit beiden Ärztinnen die Ziele der Zusammenarbeit - entweder berufliches Weiterkommen oder auch die Vereinbarkeit von Familie und Klinikalltag.

Ein Rat von außen kann den Weg zur beruflichen Karriere ebnen

Engagiert für jüngere Kolleginnen: Professor Jeanette Schulz-Menger vom Klinikum Berlin-Buch.

© Helios

Aus dem Erfahrungsschatz von einer erfahrenen Kollegin wollte auch Dr. Annette Bürger schöpfen. Die 37-jährige Intensivmedizinerin am Helios-Klinikum in Krefeld hatte das Gefühl, beruflich auf der Stelle zu treten.

"Ich suchte Orientierung, wie es nach meiner zweiten Facharztprüfung auch noch inhaltlich weitergehen kann", erzählt sie im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung". "Daher ging es mir beim Mentoring klar um die berufliche Perspektive."

Sie fand auf fachlicher Ebene in ihrer Mentorin Professor Jeanette Schulz-Menger, Oberärztin in der Kardiologie am Helios Klinikum Berlin-Buch und Leiterin AG Kardiale MRT am Charité Campus Buch, eine Ansprechpartnerin.

Professor Schulz-Menger freute sich über die direkte Ansprache: "Für mich war es sehr wichtig, dass die junge Kollegin sich aktiv beworben hat und so über das Mentorinnen-Netzwerk direkt auf mich zugegangen ist", sagt die 48-Jährige der "Ärzte Zeitung".

"Mir war es auch sehr wichtig, dass ich mich definitiv nicht in den Arbeitsalltag an einem anderen Klinikum und die Kollegen-Konstellationen einmische."

Denn beim Mentoring sollen nicht die täglichen Probleme unter Kollegen mit Außenstehenden diskutiert werden. "Trotz Mentoring bleibt der Vorgesetzte ganz klar der direkte Ansprechpartner", sagt Talentmanagerin Zeschmann-Hecht.

Oft kann der Rat der erfahreneren Kollegin einfacher klingen, als er in die Tat umgesetzt werden kann: "Wichtig ist, die Ziele eindeutig zu formulieren, was eine Person wirklich will", sagt Schulz-Menger.

Ein Rat von außen kann den Weg zur beruflichen Karriere ebnen

Schneller am Ziel als gedacht: Dr. Annette Bürger ist Oberärztin am Helios Klinikum Krefeld.

© Velmans / Helios

Dieser Karrieretipp ist ihr wichtig: "Bei Problemen merken viele oft erst spät, dass sie damit nicht alleine sind, und viele vor ihnen sich auch ähnliche Gedanken gemacht haben."

Unter diesem Motto arbeiteten die beiden Ärztinnen zusammen, verabredeten sich zu Telefongesprächen, bleiben per E-Mail in Kontakt.

Viel schneller als gedacht, wurde in Krefeld eine Oberarztstelle frei. Seit Januar ist Dr. Bürger nun Oberärztin - ein Berufsziel, an das sie vor drei Monaten noch nicht gedacht hätte. "Natürlich ging das jetzt etwas schnell", sagt sie.

Normalerweise haben Mentorin und Mentee etwa drei Jahre Zeit an den Zielen, auf die sie sich mit der Talentmanagerin Zeschmann-Hecht geeinigt haben, zu arbeiten. Natürlich kann am Ende eines Betreuungsverhältnisses nicht zwangsläufig eine Oberarztstelle stehen.

Als Arbeitgeber ist Helios die berufliche Beratung unter Kolleginnen wichtig: "Wir wollen die Kompetenzen unserer Mitarbeiter ausbauen, damit wir sie in den Kliniken halten und möglicherweise in Führungspositionen bringen können", erklärt Zeschmann-Hecht.

Das Mentorinnen-Netzwerk ist inzwischen gewachsen: "Wir haben derzeit mehr Mentorinnen im Programm als jüngere Kolleginnen, die sich Tipps von den Erfahrenen holen wollen", so Zeschmann-Hecht.

Professor Schulz-Menger würde trotz knapper Freizeit wieder eine junge Kollegin betreuen: "Wenn man engagierten Leuten helfen kann, ist das doch toll!"

Mit Annette Bürger wird sie auch in Zukunft in Kontakt bleiben. Ob sie ihre gemeinsame Arbeit fortsetzen, ist noch ungewiss - Annette Bürger will sich zunächst in den neuen Job einarbeiten. Demnächst wollen sich beide aber auch einmal persönlich in Berlin treffen.

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