Ärzte Zeitung, 15.05.2011

Anästhesisten sorgen sich um Nachwuchs

Die Arbeitsverdichtung ist für Anästhesisten immer größer. Honorarkräfte können sie nur punktuell entlasten.

HAMBURG (di). Rund 750 Anästhesisten fehlen derzeit in Deutschland. Das klingt überschaubar, weil andere Fächer deutlich höhere Lücken nennen.

Doch auf dem noch bis 17. Mai dauernden Deutschen Anästhesiecongress in Hamburg diskutiert der Berufsstand diese Zahl mit Unbehagen. "Die Situation ist bei den Anästhesisten besonders prekär", sagte Professor Bernd Landauer. Der Präsident des Berufsverbands Deutscher Anästhesisten verwies auf die Schlüsselrolle, die sein Fach bei Ops spielt.

Fest steht: Die Nachfrage nach den Leistungen der Anästhesisten hängt in erster Linie von den anderen Fächern ab. Und die steigt seit Jahren, zuletzt auf jährlich über zehn Millionen Anästhesien in Deutschland.

Steigender Frauenanteil

Zum erhöhten Nachwuchsbedarf trägt neben der höheren Nachfrage und der demografischen Entwicklung auch der steigende Frauenanteil im Fach bei. Damit nimmt der Wunsch nach Teilzeitarbeit zu, viele nachrückende Anästhesistinnen können dem Arbeitgeber wegen familiärer Verpflichtungen nicht in Vollzeit zur Verfügung stehen.

Honorarärzte helfen nach Einschätzung Landauers manchen Krankenhäusern zwar punktuell, können das Problem aber nicht auf breiter Front lösen.

Dramatische Folgen

Die Folgen sind zum Teil dramatisch: Mehrbelastung und Frustration des vorhandenen Personals, weniger Patienten- und Angehörigengespräche, Verlust der Gesamtschau und damit Fragmentierung des Behandlungsprozesses, hoher Druck mit kritischer Erhöhung des Behandlungsrisikos und Beeinträchtigung der Weiterbildung.

Müssen Anästhesien also auf andere Gesundheitsberufe übertragen werden? Landauer hält eine solche Lösung für untauglich: "Jeder Patient hat einen rechtlich einklagbaren Anspruch auf Behandlung nach Facharztstandard. Damit ist und bleibt Anästhesie eine ärztliche Aufgabe."

Ob Bachelor-Absolventen zur Entlastung von Anästhesisten beitragen können, ließ er offen: "Das muss die Zukunft zeigen." Fest steht für ihn, dass ein Abbau von Bürokratie helfen könnte, Ärzte zu entlasten.

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