Ärzte Zeitung, 15.05.2011

MRSA erfordert auch Engagement der Vertragsärzte

BERLIN (wul). Will man die Infektionsraten mit resistenten Erregern in Deutschland senken, müssen alle Bereiche, die Patienten betreuen, zusammenarbeiten.

"MRSA ist mittlerweile kein reines Krankenhaus-Problem", sagte Andreas Kintrup, Geschäftsbereichsleiter Qualitätssicherung der KV Westfalen-Lippe (KVWL), auf dem Hauptstadtkongress.

Die Zusammenarbeit zwischen Kliniken, niedergelassenen Ärzten und Heimen funktioniere aber nicht immer gut. Den Grund sieht Kintrup in der mangelnden Kommunikation.

EU-Projekt EUREGIO-MRSA erfolgreich

Das es auch anders geht, zeigt das EU-Projekt EUREGIO-MRSA Twente/Münsterland, an dem sich die KVWL beteiligt. Um die Versorgung der Patienten zu verbessern, wurde in dem Projekt eine zwölfmonatige Weiterbetreuung von MRSA-Patienten nach Entlassung aus dem Krankenhaus entwickelt.

Niedergelassene Ärzte erhalten bereits jetzt für die ambulante Therapie von MRSA-besiedelten und -infizierten Patienten sowie für die diagnostische Untersuchung von Risikopatienten eine Vergütung. Die Grundlage für den Erfolg des Konzepts ist nach Kintrups Angaben eine enge Zusammenarbeit von stationärem und ambulantem Sektor.

Allerdings können niedergelassene Ärzte mit den Mitteln, die ihnen zur Verfügung stehen, nicht jeden Fall von MRSA-Besiedlung behandeln. Die besten Erfolgsaussichten bestehen in Fällen ohne sogenannte sanierungshemmende Faktoren wie zum Beispiel offene Wunden oder Katheter, sagte Kintrup.

Unsachgemäße Antibiotika-Verordnung ein Hauptrisikofaktor

Das ist bei rund 30 Prozent aller MRSA-Patienten der Fall. Andernfalls empfahl er den Ärzten, sich an einen MRSA-Experten zu wenden.

Als einer der Hauptrisikofaktoren für die Entstehung und Weiterverbreitung von MRSA gilt die unsachgemäße Antibiotika-Verordnung. Um die Ärzte für das Thema zu sensibilisieren, führte die KV Westfalen-Lippe nach eigenen Angaben in den vergangenen sechs Jahren 17 Infoveranstaltungen durch, an denen etwa 3000 Ärzte teilgenommen haben.

"Wir konnten bei diesen Ärzten einen merklichen Rückgang von Antibiotikaverordnungen feststellen", sagte Kintrup.

[16.05.2011, 09:32:32]
Monika Rimbach 
MRSA und Kommunikation sektorenübergreifend
Es ist doch schon seltsam, dass ein Kommunikationsproblem nur mit einer Vergütung gelöst werden soll?
In den Arztbriefen von Krankenhäusern wird seit langem schon darauf hingewiesen, wenn ein Patient MRSA-positiv ist. Auch die weiterführende Behandlungsempfehlung ist im Arztbrief des Krankenhauses dokumentiert; die Mitgabe von Mundspülung und Salben erfolgt. Allerdings wird kein Antibiotika bei Infektionen mitgegeben, Außnahmen ist das Wochenende oder an Feiertagen, so wie es gesetzlich vorgegeben ist.
Auch die Altenheime erhalten über den Krankenhaus-Arztbrief, der dem Patienten bzw. Bewohner mitgegeben, wird diese Information, und ggfs. werden die Medikamente auch mitgegeben, so wie es der Gesetzgeber vorsieht. Ist die Sanierung noch nicht abgeschlossen, isolieren die mir bekannten Altenheime den Bewohner.
Vielleich handeln nicht alle Krankenhäuser und Altenheime so. Ist es nicht eher ein Vergütungsproblem und kein Kommunikationsproblem?

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