Ärzte Zeitung, 03.06.2011

Der Standpunkt

Verantwortung für die Zukunft

Von Wolfgang van den Bergh

Verantwortung für die Zukunft

Der Autor ist Chefredakteur der "Ärzte Zeitung". Schreiben Sie ihm: vdb@springer.com

In der Woche von Ärztetag und KBV-Vertreterversammlung stehen erfahrungsgemäß die Themen im Mittelpunkt der Beratungen, die die aktuelle gesundheitspolitische Diskussion bestimmen.

Mit klaren Positionen zur Präimplantationsdiagnostik, zur Organspende und zum ärztlich assistierten Suizid haben die Delegierten des Ärztetages in Kiel Entscheidungen getroffen, die wegweisend sind. Das ist nicht nur eine innerärztliche Positionierung, sondern ein gesellschaftspolitischer Beitrag.

Darüber hinaus erwarten die rund 350.000 Ärzte aber auch von ihren Standesvertretern eine Orientierungshilfe für die Versorgung der Zukunft. Voraussetzung dafür ist eine klare Zieldefinition.

Denn kurzfristige und langfristige Ziele sollten unterschiedlich in Angriff genommen werden. Zeitnah könnten etwa Lösungsvorschläge für eine Reform der GOÄ erarbeitet und umgesetzt werden. Gleiches gilt für die Bedarfsplanung.

Zu den langfristigen Aufgaben gehört, die Begeisterung für den Arztberuf bei jungen Medizinern dauerhaft zu sichern. Dazu sollten die Fragen beantwortet werden: Wie werden sich die Versorgungsstrukturen in den nächsten zehn Jahren in Klinik und Praxis angesichts der demografischen Entwicklung verändern? Wie wird sich das Spannungsfeld zwischen ärztlichem Auftrag und wirtschaftlichem Druck entwickeln?

Heute müssen die Weichen für die Veränderungsprozesse für die Zukunft gestellt werden. Das erfordert zweierlei: einen langen Atem und Weitblick. Dieser Weitblick lässt sich nicht nur aus der eigenen langjährigen Erfahrung als Arzt und Berufspolitiker ableiten.

Zu leicht kann dies zu einem Verharren in den Idealen von gestern führen. Das gilt vor allem für das Idealbild vom Arzt als selbstständig arbeitenden Freiberufler.

Ohne dieses Ideal für obsolet zu erklären: Die junge Generation präferiert zumindest teilweise andere, sicherere und familienfreundlichere Formen der Berufsausübung.

Die Kunst der jetzt verantwortlichen Spitzenleute der Ärzte liegt darin, mit Ideen für neue Formen der Berufsausübung die notwendige Autonomie ärztlicher Tätigkeit zu sichern.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Was neue Onkologika den Patienten tatsächlich bringen

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Neue Onkologika haben die Überlebenszeit von Krebspatienten in den vergangenen zwölf Jahren im Schnitt um 3,4 Monate verlängert. Dieser Vorteil geht oft zulasten der Sicherheit. mehr »

Kassen und KBV drücken aufs Tempo

Bisher trat die Selbstverwaltung bei der Digitalisierung eher als Bremser auf. Bei den Formularen geben KBV und Kassen jetzt Gas: Im Juli kommt der digitale Laborauftrag. mehr »

"Auch mit Kind zügig möglich"

Eine Weiterbildung, die auch mit Elternzeit nur sechs Jahre dauert? Das ist möglich, sagt Dr. Sandra Tschürtz. Die angehende Allgemeinmedizinerin steht vor ihrer Facharztprüfung – und blickt auf ihre Zeit in einem Weiterbildungsverbund zurück. mehr »