Ärzte Zeitung online, 06.06.2011

Test auf Gestationsdiabetes - IGeL statt Kassenleistung?

In Sachsen zahlt die AOK Schwangeren den Test auf Gestationsdiabetes. Nur wenige Frauen fragen die Leistung nach -  warum?

Test auf Gestationsdiabetes - IGel statt Kassenleistung?

Nur jede fünfte Schwangere der AOK Plus nimmt den Test auf Gestationsdiabetes als Kassenleistung wahr. Die Krankenkasse wundert sich über die geringe Teilnehmerzahl.

© fotolia.com

DRESDEN (tt). Die AOK Plus in Sachsen zeigt sich irritiert, dass sich nur wenige versicherte Frauen in der Schwangerschaft auf Gestationsdiabetes testen lassen.

Der Test wird seit Dezember 2009 von der AOK im Freistaat als Kassenleistung angeboten, aber kaum in Anspruch genommen, berichtet Sprecherin Hannelore Strobl auf Anfrage der "Ärzte Zeitung".

3500 von 15000 Versicherte haben sich Test unterzogen

Bei der AOK hält man es für möglich, dass sächsische Gynäkologen bewusst verschweigen, dass der Test eine Kassenleistung sei, um ihn so als IGeL-Leistung abrechnen zu können. "Wir halten das für möglich", so Strobl.

Seit Dezember 2009 haben laut AOK knapp 3500 Versicherte im Freistaat die Kassenleistung in Anspruch genommen. In Frage kämen allerdings rund 15000 Versicherte.

Das nur jede fünfte Schwangere Interesse an dem Test haben soll, sei "eher unwahrscheinlich", so die Sprecherin. Allerdings halte man es bei der Kasse auch für möglich, dass Ärzte schlicht vergäßen, über Schwangerschaftsdiabetes und die mögliche Prävention zu informieren. "Es bedarf hier aber permanenter Aufklärung."

Mit dem Test soll verhindert werden, dass Neugeborene mit starkem Übergewicht auf die Welt kommen und so bereits als Säuglinge höheren gesundheitlichen Risiken ausgesetzt sind.

Zeigt der Test Auffälligkeiten, ist die Überweisung in eine diabetologische Schwerpunktpraxis vorgesehen. Die AOK zahlt Ärzten für einen Test 15 Euro. Als IGeL-Leistung seien "um die 25 Euro" möglich, sagt die Kassen-Sprecherin.

Über Ursachen kann nur spekuliert werden

Bei der KV Sachsen ist das Problem bekannt, man habe sich mit der AOK zusammengesetzt, erklärte ein KV-Mitarbeiter.

Über die Ursachen für die mangelnde Inanspruchnahme der Kassenleistung könne aber nur spekuliert werden.

Knut Köhler, Sprecher der Landesärztekammer Sachsen: "Grundsätzlich halte ich mangelnde Information für möglich, bei Ärzten und Patienten. Wenn Patienten die AOK-Leistung kennen würden, dann könnten Ärzte das als IGeL nicht anbieten."

AOK und KV haben angekündigt, in einem Rundbrief an Gynäkologen für mehr Aufklärung über Gestationsdiabetes zu werben.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Hohes Sterberisiko bei Ausbruch in der Adoleszenz

Wenn sich Typ-1-Diabetes in einem besonders vulnerablen Alter manifestiert, brauchen Betroffene viel Aufmerksamkeit. Sie haben ein hohes Risiko, an Komplikationen zu sterben. mehr »

100 Prozent Zustimmung

Die KBV-Vertreterversammlung präsentiert sich in neuer Einigkeit und richtet die Speere – wieder – nach außen. Klare Kante gegenüber dem Gesetzgeber und den Krankenhäusern. "Wir sind auf Kurs", meldete KBV-Chef Gassen. mehr »

Herz-Kreislauf-Risiko von Anfang an im Blick behalten!

Bei RA-Patienten sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen die wichtigste Todesursache. Die aktuellen Therapiealgorithmen zielen nicht zuletzt darauf ab, die Steroidexposition zu begrenzen. mehr »