Ärzte Zeitung, 14.06.2011

Streit um Medizin-Ausgaben an der Saar-Uni

Den Rotstift bei der Ausbildung von künftigen Ärzten an der Saar-Uni anlegen? Diese Forderung einer Beratungsgesellschaft sorgt im hoch verschuldeten Saarland für helle Aufregung - auch bei der Landesärztekammer.

Von Michael Kuderna

Streit um Medizin-Ausgaben an der Saar-Uni

Das Universitätsklinikum Saarland: Wird hier bald der Rotstift angesetzt?

© Koop / UKS

SAARBRÜCKEN. Gutachter haben dem Saarland zu Einsparungen im Bereich der medizinischen Fakultät geraten. Bezüglich der Humanmedizin an der Universität des Saarlandes solle "zur gerechteren Verteilung der Ausbildungslasten" über eine Kooperation mit anderen Bundesländern nachgedacht werden, heißt es in einem Papier der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC). Uni und Ärztekammer warnten dagegen vor Einschnitten.

Die PwC-Spezialisten hatten die Ausgaben des hochverschuldeten Saarlandes mit denen anderer westdeutscher Flächenländer verglichen und nach Sparpotenzialen gesucht. Auftraggeber war die Haushaltsstrukturkommission, in der neben der Regierung auch vier Landtagsfraktionen, der Rechnungshof, die IHK und die Arbeitskammer vertreten sind.

Dem Bericht zufolge liegt die Quote der Medizinstudenten mit 9,1 Prozent im Saarland weit über dem Durchschnitt von 4,9 Prozent der alten Bundesländer. Zudem bilde man an der Saar mit jährlich 185 Absolventen fast dreimal so viel Mediziner aus als benötigt, sagte ein PwC-Mitarbeiter bei der Veröffentlichung der Studie.

Gleichzeitig wies er darauf hin, dass beispielsweise das Nachbarland Rheinland-Pfalz 200 weniger Mediziner ausbilde als es brauche.

Ein Absenken der Studierendenzahl um 849 auf den westdeutschen Schnitt würde "rein rechnerisch" fast 32 Millionen Euro sparen. Allerdings wird in dem Bericht auch auf Argumente gegen einen starken Abbau hingewiesen. So müsse man den zu erwartenden bundesweiten Medizinermangel bedenken.

Außerdem könne nur durch eine gleichzeitige Reduktion des wissenschaftlichen Personals im Universitätsklinikum verhindert werden, dass weiterhin Studienplätze auf der Basis der Kapazitätsverordnung eingeklagt werden können. Zusätzlich sei auch die Gesamtzahl der Krankenhausbetten im Saarland ein Indikator für mögliche Klagen.

Der Präsident der Ärztekammer des Saarlandes, Dr. Josef Mischo, wies die Vorschläge zurück. In Zeiten des Ärztemangels bei Medizinischer Fakultät und dem Uniklinikum den Rotstift anzusetzen, wäre nach seinen Worten "mittel- und langfristig fatal für die medizinische Versorgung im Saarland". Mischo wies darauf hin, dass wegen des drohenden Ärztemangels bundesweit eine Erhöhung der Medizin-Studienplätze angestrebt werde.

Uni-Präsident Volker Linneweber betonte, die medizinische Fakultät in Homburg sei mit ihrem Sonderforschungsbereich ein Aushängeschild der Saar-Uni.

Gleichzeitig stellte Linneweber für den Fall einschneidender Sparauflagen die vereinbarte Professur für Allgemeinmedizin in Frage.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Die Folgen der Kirchturmspolitik

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