Ärzte Zeitung online, 22.07.2011

Bayern: Hausarztvertrag mit AOK gescheitert

Bayern: Hausarztvertrag mit AOK gescheitert

Seit Jahresanfang diskutieren Bayerns Hausärzte mit der AOK über die Bedingungen eines neuen Hausärztevertrages. Nun sind die Verhandlungen gescheitert - ein Schiedsverfahren muss die verfahrene Situation retten.

MÜNCHEN (sto). Die Verhandlungen über einen AOK-Hausarztvertrag für Bayern sind jetzt endgültig gescheitert. Der BHÄV will nun ein Schiedsverfahren einleiten, um so den gesetzlich vorgeschriebenen Hausarztvertrag doch noch durchzusetzen, erklärte BHÄV-Vorsitzender Dr. Dieter Geis.

Entgegen früheren Zusagen habe die AOK auch in der letzten Verhandlungsrunde am Donnerstag erneut einen Add-on-Vertrag vorgelegt, "der für die Hausärzte von Grund auf inakzeptabel ist", teilte Geis mit.

Einen vom BHÄV vorgelegten modifizierten Vertragsvorschlag auf der Grundlage des kürzlich mit der Techniker Krankenkasse vereinbarten Hausarztvertrages habe die AOK nicht angenommen.

AOK: Add-on-Vertrag ist die bessere Lösung

Demgegenüber erklärte die AOK ihr Bedauern über die Ablehnung ihres eigenen Angebotes durch den BHÄV für einen Hausarztvertrag, der "ausschließlich die besondere hausärztliche Versorgung" regeln soll.

Sie habe für die Verbesserung der Versorgung und insbesondere für die Behandlung chronisch Kranker höhere Honorare angeboten, die in der Spitze einen Fallwert von 70 Euro erreichen könnten.

Die Forderung des BHÄV nach einem Vollversorgungsvertrag hätte zu "unvermeidbaren Mehrfachhonorierungen" geführt und komplizierte und aufwendige Bereinigungsverfahren erforderlich gemacht.

Demgegenüber biete ein Add-on-Vertrag, der nur die Honorarsteigerungen aus dem Hausarztvertrag abwickelt, eine hohe Transparenz und Eindeutigkeit bei der Abrechnung, begründete die AOK ihre Haltung.

BHÄV spricht von Dumping-Fallwerten

Der von der AOK genannte Fallwert von bis zu 70 Euro sei eine "Nebelkerze" erklärte demgegenüber der BHÄV. "In Wahrheit liegt der Durchschnittsfallwert des AOK Angebots bei weit unter 50 Euro pro Quartal", sagte Geis.

Mit solchen "Dumping-Fallwerten" gefährde die AOK die flächendeckende medizinische Versorgung in Bayern.

In ihrer Mitteilung warnte die AOK zugleich den BHÄV davor, das bevorstehende Schlichtungsverfahren "mit Aktionen zu belasten, die gegen Patienten gerichtet sind". So seien verkürzte Praxiszeiten für Versicherte von Kassen ohne Hausarztvertrag "eindeutig rechtswidrig", erklärte die AOK.

Der Verband sei gut beraten, die Hausärzte "nicht schon wieder" zu rechtswidrigen Aktionen aufzufordern, die von Kassenärztlicher Vereinigung und Gerichten geahndet werden müssten.

[23.07.2011, 13:12:06]
Dr. Carmencita Müller 
Tjaaa....
Wie hat es Dr. Hoppenthaller ( Dez. 2010 ) so schön gesagt : " Liebe Koleginnen und Kollegen, es gibt kein Plan B!!!" Leider hat 70 % der HÄ das nicht geglaubt...wieso jammern die jetzt so? abwarten , die grosse Überraschungen kommen noch...die Abrechungsbescheide für 2011 rollen erst ein...Und es gibt tatsächlich auch Kollegen die sich gefreut haben 3 Euro mehr für die Hausbesuche zu bekommen...wo der RLV - Wert um 2-3 Euro runter geht dadurch . Beispiel Rechnung: bei 100 Hausbesuche im Quartal 3 X 100 = 300 Euro mehr, bei 700 Scheine 2 Euro Verlust / Schein = 1400 Euro MINUS . toll , nicht ??? Gibt es irgendwo noch eine Berufsgruppe die sich so veräppeln lässt ?

Carmen Müller  zum Beitrag »
[22.07.2011, 09:53:56]
Dr. Thomas Assmann 
April,April !!!
Wer auf Kassen und Politik vetraut ist selber Schuld.
Manche Berufstände lernen es halt nie.
Schade ! zum Beitrag »

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