Ärzte Zeitung online, 28.07.2011

Bayerische Hausärzte geben AOK Nachhilfe im Rechnen

Der Streit zwischen dem bayerischen Hausärzteverband und der AOK im Freistaat geht weiter. Die Kasse hatte dem Verband vorgehalten, er ignoriere 100 Millionen Euro Zusatzhonorar. Nun hat der Verband nachgerechnet - und kommt auf "einen Liter Super" pro Monat und Versicherten.

AOK-Zusatzhonorar? Bayerns Hausärzteverband präsentiert Gegenrechnung

BHÄV-Chef Geis: Für "einen Liter Super" im Monat und Versicherten, die hausärztliche Versorgung sichern?

© BHÄV

MÜNCHEN (sto). Der Bayerische Hausärzteverband (BHÄV) will die Mitteilung der AOK Bayern, sie habe in den Verhandlungen für einen Hausarztvertrag 100 Millionen Euro als zusätzliches Honorar angeboten, nicht unkommentiert im Raum stehenlassen.

Das Angebot basiere auf der Annahme von 2,6 Millionen eingeschriebenen AOK-Versicherten, erklärte BHÄV-Vorsitzender Dr. Dieter Geis. Angesichts der Forderung der AOK nach einer Neueinschreibung der Versicherten sei diese Annahme jedoch nicht sachgerecht.

Man könne das Angebot aber auch anders rechnen. Dann ergäben sich knapp 3,20 Euro pro Monat pro eingeschriebenen Versicherten.

"Mit anderen Worten: Für knapp 1,80 Euro je AOK Bayern-Versicherte pro Monat, dem Gegenwert von einem Liter Super-Benzin, will die AOK Bayern die qualifizierte wohnortnahe hausärztliche Versorgung in Bayern sichern, hausärztlichem Nachwuchs Planungssicherheit und uns und unseren Mitarbeiterinnen eine Zukunftsperspektive geben", erklärte Geis in einer Mitteilung an die Hausärzte in Bayern.

Modifizierter TK-Vertrag als Vorbild

In den Verhandlungen habe sich die AOK bis zuletzt geweigert, von ihrer Forderung nach einem Add-on-Vertrag abzurücken. Weitere AOK-Forderungen seien die Refinanzierung des Vertrages über Einsparungen, die Neueinschreibung der Versicherten und die Pflicht nach einer wirkstoffbezogenen Verordnungsweise gewesen.

Auch die Nutzung der AOK-eigenen gevko-Schnittstelle in der Praxissoftware sowie die Durchführung von mindestens zwei Gesprächen pro Jahr mit einem AOK-Praxisberater hätten zum Forderungskatalog gehört, ebenso die Realisierung von ausstehenden Forderungen gegenüber Hausärzten, die aus der hausarztzentrierten Versorgung ausgeschieden sind, durch den BHÄV.

Auf der anderen Seite sei die AOK aber auch nicht bereit gewesen, über die vom BHÄV geforderten Komplexe Prävention als Einzelleistungen sowie dringende Besuche, Palliativbesuche und Heimbesuche zu verhandeln.

Grundlage hierfür seien Modifikationen aus dem Hausarztvertrag mit der Techniker Krankenkasse gewesen, der eine Fallwertobergrenze von 76 Euro beinhaltet, teilte Geis mit. Dieses Versichertenhonorar sei deutlich mehr als RLV und QZV.

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