Ärzte Zeitung online, 29.07.2011

Verbraucherschützer nennt Bahrs Reform "Irrlicht"

BERLIN (sun). Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hat das von der schwarz-gelben Koalition geplante Versorgungsgesetz als "Irrlicht" kritisiert. Dieses werde viel kosten, den Patienten aber "nur wenige Verbesserungen" bringen.

Verbraucherschützer nennt Bahrs Reform "Irrlicht"

vzbv-Chef Gerd Billen nimmt Bahrs Versorgungsgesetz in die Kritik.

© dpa

Vor allem müssten die Versicherten die zusätzlichen Kosten allein über Zusatzbeiträge aufbringen, heißt es in einem Hintergrundpapier des vzbv.

Um das zu vermeiden sollen nach Ansicht des Verbandes bessere Versorgungsstrukturen durch Umverteilungen im System geschaffen werden.

vzbv: Wohnortnahe Leistung besser vergüten

Darüber hinaus müsse das Anreizsystem für Ärzte und Krankenhäuser patientenorientiert gestaltet werden: Nicht die Gerätemedizin, sondern Patientenversorgung solle sich lohnen, betonte der vzbv.

Die Lösung ist aus Sicht des Verbandes einfach: Versorgungsleistungen, die Patienten wohnortnah benötigten, müssten dafür besser vergütet werden als bisher, hoch technisierte Leistungen dagegen geringer.

Der Verbraucherverband fürchtet darüber hinaus, dass die regionalen Unterschiede in der Versorgung noch verstärkt werden könnten.

Es fände kein "zuverlässiger Abbau" von Überversorgung statt. Nur so könnten aber Finanzmittel und Ärzte in unterversorgte Gebiete gelenkt werden.

Spezialärzte würden keine Verbesserung bringen

Vor allem müsse "die unkoordinierte Sonderbedarfszulassung" künftig untersagt werden, forderte der Verband. Zudem gehörten auch Krankenhauskapazitäten auf "den unabhängigen Prüfstand".

Insbesondere durch die geplante ambulante spezialärztliche Versorgung sieht der vzbv für Patienten keine Verbesserung. Profitierten würden "in erster Linie die Krankenhäuser". Diese erhielten einen erleichterten Zugang zu Einnahmequellen aus dem ambulanten Honorartopf, schimpfte der Verband.

Statt einen neuen Sektor einzurichten, sollten vielmehr regelmäßige Patientenbefragungen durchgeführt werden. Dadurch könne die von den Patienten erlebte Versorgungsqualität ermittelt werden.

Darüber hinaus müssten bei Qualitätsdefiziten Sanktionen drohen, diese sollten sogar bis zum Entzug der Zulassung der Einrichtung reichen.

Das geplante Versorgungsstrukturgesetz soll am 3. August im Kabinett beschlossen werden.

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