Ärzte Zeitung, 11.08.2011

Bürokratie lähmt Ärzte

STUTTGART (maw). Vertragsärzte haben mit so vielen bürokratischen Vorschriften zu kämpfen, dass sie sich zu wenig auf die Belange der Patienten konzentrieren können. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Umfrage "Gesundheitspolitik 2011" der Privatärztlichen Verrechnungsstelle Baden-Württemberg (PVS-BW).

Bürokratie lähmt Ärzte

Erstickt von Bürokratie: Viele Ärzte können das offenbar nachempfinden.

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"Das Problem ist eindeutig der Zwang zur Bürokratisierung" sagt PVS-BW Geschäftsführer Michael Ahrens. Mehr als 90 Prozent der befragten Ärzte bestätigten nach Angaben des Abrechnungsdienstleisters, nicht mehr angemessen für ihre Patienten tätig sein zu können.

Ahrens warnt: "Patienten erhalten so nur noch die Behandlung, die unbedingt nötig ist und nicht die, die sie eigentlich brauchen würden - damit stört Bürokratie nicht zuletzt das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient."

"Bürokratie kostet Energie und Zeit"

Obwohl das Thema in den vergangenen Jahren bereits öfter auf der Agenda stand, ist die Bürokratisierung immer noch ein bestimmendes Thema in der Ärztelandschaft. Ahrens teigt sich überzeugt, dass durch Formulare und Zwang Autonomie und Selbstverantwortung der Ärzte untergraben werden.

"Bürokratie kostet Energie und Zeit, die schließlich wieder von der Behandlung abgeht. Natürlich führen auch Ärzte ein Unternehmen", fügt Ahrens dazu. "Dennoch haben sie auch eine große Verantwortung gegenüber dem Menschen. Das bürokratische Gesundheitssystem zwingt allerdings dazu, die Praxis zunehmend unter unternehmerischen Gesichtspunkten zu führen."

Dem stimmen mehr als 90 Prozent der im Rahmen der Studie befragten Ärzte zu, hebt er nachdrücklich hervor.

Online-Abrechnung ein Fortschritt

Großes Potenzial sieht die PVS-BW in der seit Januar amtlichen Online-Abrechnung. "Sicher ist das ein Fortschritt, was die überbordende Bürokratie angeht. Allerdings ist die Vorschrift zu schnell in die Gesetzgebung gelangt. Meist fehlt es noch an entsprechenden Systemen."

Für Ahrens ist aus diesen Gründen die Skepsis der Ärzte verständlich. "Dazu kommt eine undurchsichtige Gesetzgebung. Es braucht klare und allgemeingültige Regeln. Davon sind wir in Deutschland allerdings leider noch weit entfernt."

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