Ärzte Zeitung online, 29.08.2011

Bundesärztekammer befürwortet MVZ

Montgomery betont wichtige Rolle der Kommunen / Angestellte Ärzte sind Realität

BERLIN (HL). Die Bundesärztekammer hat ihre bislang eher negative Haltung zur Bedeutung Medizinischer Versorgungszentren korrigiert.

"Von manchen Entwicklungen sind wir als Standesorganisation überrascht worden. Die Ärzte selbst haben uns zum Beispiel gelehrt, dass Medizinische Versorgungszentren sehr sinnvoll genutzt werden können", sagte BÄK-Präsident Dr. Frank Ulrich Montgomery in einem Interview der Tageszeitung "Die Welt" (Montag).

Zum Arztbild werde auch in Zukunft der selbstständige niedergelassene Arzt gehören. Aber das Bild werde bunter, so Montgomery.

"Viele Ärzte fühlen sich als Angestellte, auch in MVZ, sehr wohl. Wir verfolgen das als Bundesärztekammer genau, aber wir können keine Lebenswirklichkeiten planen."

Das geplante Versorgungsstrukturgesetz, für das Ende September die parlamentarischen Beratungen starten werden, sieht Montgomery als hilfreich an.

Es verhindere, dass Landärzte, die viele Patienten versorgen müssten, wegen Budgetierungen bestraft werden. Durch Aufhebung der Residenzpflicht müsse der Arzt nicht mehr dort wohnen, wo er arbeitet.

Außerdem könnten Kommunen selbst Arztpraxen betreiben. Montgomery: "Das wird zwar alles nicht reichen, aber es sind richtige Schritte."

Der Ärztepräsident betont eine wachsende Bedeutung der Kommunen auch für die medizinische Versorgung.

"Zusätzlich müssen Kommunalpolitik und Infrastrukturpolitik dafür sorgen, Leben und Arbeiten auf dem Land attraktiver zu machen. Eine Entlastung für den Arzt könnten Gemeindeschwestern bringen, die vom Arzt delegierte Aufgaben übernehmen, so wie einst in der DDR."

Montgomery warnte überdies davor, das mögliche Ausmaß künftigen Ärztemangels zu übertreiben: "Das, was wir als Ärztemangel bezeichnen, würde ein Schwede Überversorgung nennen. Aber das dürfen wir nicht vergleichen, wir haben hier eine andere Gesundheitskultur."

Ähnliches gelte für die Beteiligung von Patienten an den Gesundheitskosten - das sei in Deutschland ein "großes Tabu".

Beispielhaft nennt Montgomery die skandinavische Variante der Praxisgebühr: 40 Euro jeweils für die ersten zehn Arztbesuche. "Ich glaube aber nicht, dass das in Deutschland in vollem Umfang durchsetzbar ist. Es gäbe einen Aufschrei in der Bevölkerung, und die Konfrontation zwischen den politischen Parteien wäre sehr groß."

[30.08.2011, 09:49:45]
Dr. Rares Pintea 
schwedisches Gesundheitssystem (laut Wikipedia 30.08.2011)
"Finanzierung
Das schwedische Gesundheitssystem finanziert sich überwiegend aus Steuern

-die Bezirke, die für die Gesundheitsversorgung zuständig sind, dürfen Einkommenssteuern erheben (ca. 10%)
-es gibt überwiegend Gesundheitszentren, in denen Ärzte, Krankenschwestern und Hebammen arbeiten
-Patienten werden angehalten, sich selbst zu behandeln (telefonische Info) ? wenn keine Besserung ? Arztbesuch
-Krankenhäuser können bei Bedarf aufgesucht werden, es bedarf keiner Überweisung durch den Hausarzt.
-Lange Wartezeiten
-Kinder bis zum 20. Lebensjahr sind von Kosten befreit.
Der Zahnarzt ist ausgenommen vom staatlichen System. Eigenbeteiligung ab dem 20. Lebensjahr 100% - aber es gibt einen "Hochkostenschutz", speziell für ältere Patienten
-bei Arztbesuch muss eine Gebühr von acht (geplanter Besuch) bis 33 € (bei Akutfällen) bezahlt werden.Pro Jahr 100 € Behandlungskostengrenze darf nicht überschritten werden.
-Es ist üblich, vor dem Arztbesuch den Rat der zuständigen Bezirkskrankenschwester einzuholen. Diese telefonische oder persönliche Beratung / Untersuchung ist kostenfrei
-Medikamente müssen bis zu einem Höchstbetrag von circa 100 € pro Jahr selbst bezahlt werden, danach greift eine gestaffelte Zuzahlung. Ab ca. 200 € werden die Arzneimittel vollständig vom Staat bezahlt
-Alle Erwerbstätigen haben Anspruch auf Krankengeld ab dem 2. Krankheitstag
-Schweden hat sich das Ziel gesetzt, alten Menschen und Behinderten ihren Wohnraum zu erhalten. Altenheime, Pflegeheime, Seniorenwohnungen werden durch Einkommenssteuern und staatliche Zuschüsse finanziert.
-sobald einer PN (Personalnummer) vorhanden ist
-ist Person im staatlichen Gesundheitssystemen, egal ob Personen in das System einzahlt oder nicht
-Bestimmte Krankenkassen bzw. -versicherung auszusuchen ist nicht notwendig oder möglich.
-Private Zusatzversicherungen sind unüblich"
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