Ärzte Zeitung online, 15.09.2011

Hausärzte lehnen Medikationskatalog ab

Berlin (dpa). Der Deutsche Hausärzteverband lehnt die von der Koalition geplante Einführung des von KBV und ABDA geplanten Medikationskatalogs ab.

"Ich bin sicher, dass wir uns auf unserer Delegiertenversammlung dagegen aussprechen werden", sagte Verbandschef Ulrich Weigeldt der "Süddeutschen Zeitung". Die Delegiertenversammlung findet am Donnerstag (15. September) in Berlin statt.

Er könne nicht verstehen, dass Ärzte Kompetenzen abgeben sollten, um einen anderen Berufsstand - die Apotheker - zu unterstützen, so Weigeldt.

Die schwarz-gelbe Koalition will in Modellregionen den Medikationskatalog erproben, Ärzte- und Apothekerschaft sollen sie zusammenstellen.

Wenn sich allerdings die Hausärzte dem Modell verweigern, dürfte es nicht zu einem Erfolg führen, denn diese Ärztegruppe betreut mit Abstand die meisten Patienten.

[15.09.2011, 19:15:45]
Dr. Jürgen Schmidt 
Augenmaß bewahren!
Wer glaubt, dass dieser Medikationskatalog, den sich KBV und Apothekerverband ausgedacht haben und den Bundesärztekammer und Gesundheitsministerium befürworten, bürokratischer Unsinn ist, muss nicht gegen, sondern für den regionalen Modellversuch sein, den Minister Bahr - vielleicht nicht ohne Hintersinn - anregt. Denn in diesem Fall ist das Scheitern programmiert.

Wer aber wie Herr Weigeldt glaubt, diesen Modellversuch herunter oder gar weg reden zu können, soll ganz einfach sein Augenmaß und Rollenverständnis überprüfen. Blockaden lassen sich meist nicht ohne Verluste durchhalten und werden nicht selten zum dauernden Nachteil durchbrochen. In dieser Situation sind keine berufspolitischen Schreihälse gefragt, sondern Kollegen mit Erfahrung, Verstand, Übersicht und Ausdauer.
Was hat der ewig missverstandene Max Weber vom Berufspolitiker gefordert? Mit Leidenschaft dicke Bretter bohren. Gemeint hat er nicht nur die Leidenschaft für die Politik und große Worte, sondern vor allem für die dicken Bretter. Dies gilt auch für Adepten ! zum Beitrag »
[15.09.2011, 17:38:00]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Wer, was, wann, wie, wo, weshalb, warum?
W e r von den Kolleginnen und Kollegen in der KBV hat sich das ausgedacht?

W a s soll das bedeuten, außer noch mehr Bürokratie für Ärzte/-innen, noch mehr Verunsicherung für Patienten/-innen?

W a n n haben die Kolleginnen und Kollegen in der KBV ihr letztes Kassenrezept ausgestellt?

W i e oft haben Sie in der KBV ein Arzneimittel-Datenbank-Update in Ihre EDV eingelesen, das schon 1 Tag später überholt war?

W o ist in der KBV schon einmal ein verwirrter Patient aufgeschlagen, der mit der 2. Folgeverordnung 3 unterschiedliche Verpackungen mit anderslautenden Medikamentennamen aus 2 verschiedenen EU-Ländern in seiner Apotheke erhielt?

W e s h a l b erlangte das "aut idem"-Kreuz eine Bedeutungsumkehr?

W a r u m wurden v o r dem von KBV und ABDA geplanten Medikationskatalogs weder der Hausärzteverband noch andere Haus- und Facharztvertreter aus den Vertragspraxen angehört?

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

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